Samstag, 1. März 2008

Grüße aus der Heimat


Wow, wie schnell sind die letzten Tage in Peru vergangen. Das letzten Mal Ausgehen, das letzte Mal am Strand das Rauschen der Wellen hören, die letzten Coctails, der letzte Einkauf in der Bodega um die Ecke.... Und schließlich mein letzter Tag zu Hause in Magdalena :(. Koffer packen, Wohnung putzen... Auf den letzten Drücker muss ich mir auf dem Markt noch einen größeren Koffer kaufen, da ich sonst unmöglich alle meine Schätze mit nach Hause nehmen kann. Nachmittags gehts dann schon mit den ersten Verabschiedungen los. Gustavo, Evelyn, Rosa, Andres, Luis, Nelson, Nik, .... Alle kommen sie noch vorbei, um mir alles Gute zu wünschen. Viele Abschiedsgeschenke, die ersten Tränen. Und dann schließe ich die Türe hinter mir, steige mit Eduardo, der mich zum Flughafen bringt, ins Taxi. Auf dem Weg sammeln wir noch Alfredo ein und bald darauf seh ich das Flughafengebäude vor mir. Da dieser Weg nichts Neues für mich ist glaube ich immer noch ich würde nur für wenige Tage verreisen. Anna treffe ich in der Warteschlange und es gibt beim Dunkin Donuts noch meinen letzten Cappuccino auf peruanischem Boden. Kurz und relativ schmerzlich verabschieden wir uns, Anna und ich. Und schon sitzen wir im Flieger. Den Flug über ratschen wir so viel, dass die Zeit rasend vergeht. In Atlanta angekommen bummeln wir über das Flughafengelände und merken kaum wie schnell die 6 Stunden vergehen. Als wir dann bei der Security angelangt sind werden wir höflich darauf hingewiesen, dass unsere Boarding Passes fehlen. Flitzen also zum zuständigen Terminal und mir wird auch problemlos mein Pass ausgehändigt. Nur Anna hat Pech. Für sie hat das System den Flug nach Frankfurt schon geschlossen, da wir 8 Minuten zu spät am Terminal angelangt sind. Tränen und Bitten, hilft alles nichts. Ihr wird ein Hotel- und Essensgutschein, sowie ein Flugticket für den nächsten Tag angeboten. Leider muss ich sie dort alleine zurück lassen, was mir so gar nicht gefällt. Also mache ich mich schweren Herzens auf Richtung Gate. Durch die Sicherheitskontrollen komme ich fast ohne Probleme und der Flieger hebt pünktlich ab. Erst jetzt kommt der Moment des Erwachens. Jetzt wird mir bewusst, dass es kein Zurück mehr gibt. Ich breche in Tränen aus und kann das Alles einfach nicht begreifen. Sieben Monate sollen nun einfach so vorbei sein. Gleichzeitg bin ich unglaublich nervös, weil ich es kaum noch erwarten kann Alex, Mama, Papa, Moni und all die lieben Menschen, die mich erwarten, in die Arme schließen zu können. Versuch mich so gut wie möglich abzulenken und schlafe zum Glück auch bald ein. Erst als wir bereits über Irland schweben wache ich wieder auf. Und da sehe ich auch schon München unter mir. Nebelverhangen lässt es mich zunächst an Lima erinnern. Genau so sah es aus, als ich das erste Mal in Perus Hauptstadt gelandet bin. Nur die weiten grünen Flächen und vereinzelten Häuser lassen keinen Zweifel offen. Ich bin wieder zu Hause!
Kaum an der Gepäckausgabe angelangt seh ich durch die Glasscheibe schon Mama aufgeregt umherzappeln, Moni und Alex winken mir zu und Hannah ist auch mitgekommen :). Gepäck aufgeladen, noch schnell durch die Zollkontrolle (wer aus Lima kommt wird gleich einmal herausgezogen und nach Coca untersucht) und dann ist der Moment gekommen. Umarmungen, Tränen und ein Haufen gemischter Gefühle, die erst einmal sortiert werden müssen. Mama drückt mir gleich eine Breze in die Hand, weil sie weiß, wie sehr ich die vermisst hab und dann geht’s mit dem Audi nach Rosenheim. Ob Brösl, meine Miezi, mich noch erkennt? Ein wenig Angst hab ich schon vor der Begegnung. Komm zur Tür rein und seh sie schon langsam auf mich zuwandeln. Sieht mich verwirrt an und beschnuppert mich unsicher. Dann geht sie erst einmal für wenige Minuten an die frische Luft, als müsste sie sich darüber bewusst werden, was gerade passiert. Und schon steht sie wieder vor mir. Ich nehm sie in den Arm und sie fängt zu schnurren an. So schnell hab ich meine kleine Maus zurückerobert :). Nach ein paar Stunden Schlaf klingelt es dann und Papa steht vor der Tür. Mensch ist das schön, alle wieder zu sehen. Trinken gemütlich einen Kaffee und sprechen schon einmal ein wenig über unseren nächsten Urlaub, der schon Ende März ansteht. Abends gehen Alex und ich schön Pizza essen und so lassen wir den Tag ausklingen. Bin noch immer nicht so ganz angekommen. Es gibt Momente, in denen ich einfach anfangen könnte zu weinen, weil mir meine Freunde und mein Leben in Peru fehlen. In anderen Momenten bin ich einfach nur glücklich wieder zu Hause zu sein. Heute morgen als ich aufwachte hab ich mit Alex erst einmal Spanisch gesprochen, bevor ich realisiert hab, wo ich bin. Doch nach und nach kehre ich zurück in meine alte Welt. Ich weiß, dass ich meine Freunde in Peru nicht verlieren werde. So habe ich gestern zum Beispiel schon Mails und Anrufe aus Lima gekriegt und das macht mich glücklich. Was ich jetzt brauche ist Zeit und Geduld! Schön ist der Gedanke, dass ich Hannah hab, mit der ich meine Erfahrungen, mein Leben dort teilen konnte und somit ist ein Stück Peru immer an meiner Seite und wird nie in Vergessenheit geraten.


Schön wieder bei euch zu sein!!!

Dienstag, 19. Februar 2008

Lunahuaná - Chincha und Tour durch Lima

Am 14.02. morgens steht Evelyn vor der Tür und wir machen uns auf zur Busstation. Kaum angekommen sitzen wir auch schon im Bus Richtung Süden. Gute fünf Stunden Fahrt haben wir vor uns bis wir endlich in dem verschlafenen Dorf Lunahuaná, im Tal Cañete, ankommen. Schnell lassen wir uns für eine Rafting-Tour auf dem Fluss Cañete begeistern. Im Februar ist die beste Zeit dafür, da der Wasserpegel besonders hoch ist und die starke Strömung zahlreiche Rafter anlockt, die ihr Können dann in Form von Wettbewerben unter Beweis stellen können. Kurz darauf geht’s auch schon los. Haben uns für die sanftere Variante entschieden, da wir beide keine erfahrenen Rafter sind und nicht gleich wieder von unserem Bootsführer aus dem Fluss gefischt werden wollen. Mir wird der Luxusplatz direkt an der Front zugeteilt :). Luxus in dem Sinne, dass ich das ganze Wasser abfange, das durch die Strömung aufwühlt wird. Nach nicht einmal einer Minute bin ich auch schon ganz durchgeweicht. Aber einen riesen Spaß macht das auf jeden Fall.
Wieder auf festem Boden suchen wir uns erst einmal ein Lokal, um eine Kleinigkeit zu essen. Naja, gestaltet sich wieder einmal nicht so leicht für mich. Haben zwar ein Restaurant gefunden und ich bestelle auch gleich was „Vegetarisches“, doch stellt sich schnell heraus, dass die Bedienung nicht so genau weiß, was vegetarisch bedeutet und kaum steht das Essen auf dem Tisch wandert es auch schon wieder zurück in die Küche. In letzter Minute, bevor die nächste Tour losgeht, finde ich dann doch noch was, das mein Bäuchlein füllt. Gesättigt machen wir uns auf ins Zentrum, wo uns schon der Bus erwartet, der uns zu einer Weinlände, zu Inca-Ruinen und einer berühmten Hängebrücke kutschieren soll. In der Weinlände wird uns dann, wie schon in Ica, die Wein- und Piscoproduktion erklärt und wir dürfen wieder sämtliche typische Erzeugnisse probieren :). Als nächster Anlaufpunkt steht dann das Incahuasi (Haus der Inca) an. Da keiner uns Einlass gewähren will entschließt unser Reiseführer kurzerhand über den Zaun zu klettern und das Gelände auf eigene Faust zu erkundschaften. Ist ein recht beeindruckendes Schauspiel und trotz dem Wind, der uns fast von dem Hügel hinunterpustet, kommen wir wieder gut am Eingang an. Jetzt hat sich aber doch jemand gefunden, der uns allen jeweils 1 Sol Eintritt abnehmen will. Wieder einmal eine typisch peruanische Szene: der Reiseführer weigert sich zu zahlen, da der Geldeintreiber lediglich ein Forscher ist, der normalerweise nicht autorisiert ist Eintritt zu kassieren. Die anderen Touristen im Bus machen einen Zwergerlaufstand und letztlich einigen wir uns darauf jeweils 50 centimos, also die Hälfte, zu zahlen. Alle wieder einigermaßen beruhigt fahren wir weiter zur Hängebrücke. Der Großteil sucht sich gleich einmal ein Pferdchen, um in das nächstgelegene Dorf zu reiten. Mir tun die Pferde leid und mit meinem Rock mag ich mich schon gleich gar nicht in den Sattel schwingen. Also geh ich ein wenig die Tiere streicheln und versuche mir ein Bild davon zu machen, in welchem Zustand die Pferde sind. Alle sind extrem scheu, was darauf schließen lässt, dass sie nicht wirklich gut behandelt werden. Schließlich entdecke ich einen Hengst, dessen Sattel vollkommen verdreht ist und ihm Schmerzen verursacht. Also begebe ich mich auf die Suche nach jemandem, der dem Tier helfen kann. Find nur eine Frau, die umringt von Kindern, auf die Pferde achtet. Als ich sie auf den Missstand hinweise meint sie nur, das Pferd gehöre ihr nicht und außerdem sei das Risiko zu groß, dass es ausschlagen könnten. Da brodelts schon wieder in mir. Wie kann man nur so ignorant sein. Da ich meine Wut nur schlecht verbergen kann kommt nach wenigen Sekunden ein kleiner Junge angelaufen, der das Pferd aus seiner elenden Lage befreit. Jaja! Geht doch! Leider hat der Großteil der Peruaner nicht so ein großes Herz für Tiere wie wir das aus Deutschland kennen. Oft helfen nur ein paar Worte, um ihnen die Augen zu öffnen und da freut man sich doch, wenn man etwas bewegen kann :). So engagiert bei den Pferden kriege ich überhaupt nicht mit, wo die anderen Touristen überhaupt hin sind. Evelyn spricht mich mal so nebenbei drauf an, doch versunken in meiner kleiner Gedankenwelt krieg ich nix mit. Schade, das Dorf wollte ich eigentlich schon sehen. Und schon düsen wir wieder zurück ins Dorf, wo unser Reiseführer uns bei einem recht schönen Hotel abliefert, das auch ganz angemessene Preise hat. Abends bummeln wir nur noch ein wenig durch das Dorf, trinken einen Pisco Maracuyá auf der Plaza de Armas und gehen gemütlich essen. Fühlen uns richtig wohl hier, da, wie auch jeder in dem Dorf stolz betont, hier nicht geklaut, vergewaltigt... wird. Beruhigend :)
Am nächsten Morgen gehen wir noch eine Kleinigkeit frühstücken und machen uns langsam auf den Rückweg nach Lima. Dabei halten wir fürs Mittagessen in Chincha, einer Stadt, die stark vom Erdbeben betroffen ist. Überall findet man die Spuren der Naturkatastrophe und es ist traurig zu sehen, wie wenig trotz der zahlreichen Spendengelder bisher passiert ist.
Von Chincha aus fehlen noch gut 2,5h und wir sind wieder in Perus Hauptstadt.
War ein super schöner Ausflug und trotzdem ich immer meine, ich hätte schon den größten Teil Perus gesehen, gibt es noch so viele Fleckchen zu entdecken, die einen jedes Mal wieder in den Bann ziehen.

Was stelle ich sonst noch so alles an in Lima?

Am Wochenende bin ich mit Rosa, ihrer Schwester Rosario und Anna an den Strand Ensenada, südlich von Lima, gefahren. Nach einer unendlich erscheinenden Bustour (die einen waren hofflungslos überfüllt, die anderen zu teuer) sind wir dann im Dunkeln am Strand angekommen. Gleich haben wir uns daran gemacht unser Zelt aufzubauen. Nach einer kleinen Brotzeit haben wir uns Brennholz gekauft und der Restaurantbesitzer war so nett uns ein Lagerfeuer zu errichten. Bis der Scheiterhaufen endlich brannte hat er uns Geschichten erzählt und uns somit endgültig in Strandlaune versetzt :). Der Strand an sich war relativ ruhig und die meisten Camper sind erst mitten in der Nacht angetrudelt, sodass sich die Zelte am nächsten Morgen vermehrt zu haben scheinten. Als die letzten Funken unseres Lagerfeuers erlöscht waren haben wir uns brav ins Zelt zurückgezogen und uns früh am nächsten Tag von den ersten Geräuschen wieder wecken lassen. Bis Mittags sind Anna und ich noch geblieben, dann haben wir uns entschieden unserer Haut eine Pause von der starken Sonneneinstrahlung zu gönnen und haben uns auf den Rückweg gemacht, die beiden anderen zurücklassend.
Gestern habe ich mir dann noch ein wenig das Zentrum von Lima angeschaut, darunter das Museum der Inquisition, das Bankenviertel und die Plaza de Armas. Ein bisschen Shoppen durfte dabei natürlich auch nicht zu kurz kommen :).
Ja und heute bin ich mit Evelyn ins Schwimmbad gegangen. Wollten zunächst in einen Club, doch als wir am Eingang abgewiesen wurden, da der Eintritt nur Mitgliedern gewährt wird, sind wir ins das Schwimmbad einer Grundschule gegangen. Dort konnten wir in aller Ruhe unsere Bahnen schwimmen und die Seele baumeln lassen. Trotzdem sich die Sonne kaum gezeigt hat, seh ich wieder einmal aus wie eine Tomate. Ich glaub, was ich bis jetzt nicht gelernt habe, werde ich auch nicht mehr lernen ;).

Fortsetzung folgt....

Donnerstag, 14. Februar 2008

Nazca - Ica - Paracas

So, jetzt habe ich meine letzte Reise hinter mir.

Am Freitag Nacht brechen Gustavo und ich auf Richtung Ica, um von dort aus den Anschlussbus nach Nazca zu nehmen. Kaum in Nazca angekommen werden wir schon von Reiseführern umzingelt, die uns alle Flüge über die berühmten Linien der Wüstenstadt anbieten. Da wir erschöpft von der 7stündigen Fahrt sind lassen wir uns nicht lange betteln und steigen in ein Taxi, das uns zum Flughafen bringt. Um 9.15am soll dann der Flug mit der Maschine starten. Und wir warten und warten. Unser Reiseführer hat sich wieder auf den Weg ins Zentrum gemacht, um einen weiteren Touristen abzuholen, der mit uns in den Flieger steigen soll. Bin ja ein geduldiger Mensch, doch als nach 3 Stunden immer noch nichts passiert fange ich schön langsam an zu brodeln. Endlich taucht er wieder auf und meint wir sollten doch noch eine halbe Stunde warten. Aber da ich mich hartnäckig sträube bringt er uns schließlich zu einer anderen Reiseagentur, die mit größerer Sicherheit einen Flieger in die Luft schicken wird. Um die Zeit zu überbrücken wird uns angeboten im gegenüberliegenden Hotel etwas die Seele baumeln zu lassen. Ist eine schöne Anlage mit Swimmingpool und Internet. Erst einmal etwas Kühles zum trinken und dann heißt es abermals abwarten. Nach Mittag ist es dann endlich soweit. Wir sitzen im Flieger. Unser Reiseführer, der mir zuvor noch versprochen hatte zumindest ein Eis auszugeben scheint vom Erdboden verschluckt. Aber gut, Hauptsache wir bekommen das, wofür wir bezahlt haben. Der Pilot erklärt uns welche Linien wir genau sehen werden. Kurze Erklärung zu den geheimnisvollen Bilder, welche mitten in der Wüste entdeckt wurden. In Nazca wie auch in Palpa stießen Forscher auf Bilder wie Kolibris, Affen, Hunde...., die so groß sind, dass man sie nur vom Flugzeug aus vollständig sehen kann. Eine deutsche Lehrerin, Maria Reiche, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht die Hintergründe und Entstehungsgeschichte der Zeichnungen zu erforschen. Mit Ende 20 (1940er) zog sie also in die Wüste und beobachtete bis zu ihrem Tod Sternenkonstellationen, Sonnenbewegungen... Letztlich blieben jedoch nur Theorien und Hypothesen, welche versuchen das Rätsel zu lösen. Die Linien sind so fest in den Boden verankert, dass ein bisschen Wind ihnen nichts anhaben kann und da es nie regnet in der Wüste konnten sie sich gut erhalten. Das einzige Risiko bestand in der Erbauung der Panamericana, der Küstenstraße, die sich von Norden nach Süden Lateinamerikas zieht. Glücklicherweise wurde keines der Bilder zerstört.
Nun gut, jedenfalls sitzen wir nun im Flieger und heben schon kurz darauf ab. Es dauert nicht lange dann sehe ich wie Gustavo immer blasser wird. Oh, eben deshalb haben wir kaum was gegessen zuvor :). Zunächst bin ich noch zu aufgewühlt als dass es mir schlecht werden könnte. Doch nach ein paar Umkreisungen der Linien spielt auch mein Kreislauf nicht mehr so ganz mit und so beeindruckend das ganze Schauspiel auch ist, letztendlich bin ich froh nach einer halben Stunde wieder auf festem Boden zu stehen. Zurück zur Hotelanlage, um uns wieder etwas von den Strapazen zu erholen. Abends düsen wir ins Zentrum, denn der Hunger wird immer größer. Finden ein Restaurant, das uns anlacht, doch das vergeht uns bald wieder. Der Pisco Sour ist miserabel und das Essen lässt auch zu wünschen übrig. Erschöpft von dem langen Tag ziehen wir uns kurz darauf ins Hotel zurück und schlafen uns erst einmal so richtig aus. Die Ruhe währt nicht lange, denn früh am nächsten Morgen sitzen wir auch schon wieder im Bus Richtung Ica. In Ica angekommen erwartet uns eine nette Dame, die uns nach Huacachina, einem kleinen Oasen-Dorf bringt. Dort hüpfen wir voller Erwartungen in den Boogie (Art Jeep), der uns durch die Dünenlandschaft führen wird. Wow, ist das ein Heidenspaß. Machen einmal Halt, um mit einem Surfboard die Dünen runterzudüsen. Und dann das, was keiner erwartet hat, der Boogie spielt nicht mehr mit. Ein paar letzte Schnaufer und wir stecken mitten in der Wüste fest. Nach einigen Startversuchen ruft der Fahrer um Unterstützung und wir wollen schon aufgeben, als dann plötzlich doch wieder der Motor anspringt. Und weiter geht’s. Kurz darauf treffen wir auf einen anderen Boogie, der noch um ein gutes Stück größer ist als unserer und kurzum werden wir umverfrachtet. Unser neuer Fahrer scheint die Gefahr zu lieben, denn wie ein Irrer brettert er durch die Sandlandschaft. Hat etwas von Achterbahnfahren :). Noch ein paarmal dürfen wir Sandboarden, bis wir letztlich wieder in Huacachina landen. Zum Glück gibt es Duschen in der Reiseagentur, sodass wir uns den Sand vom Körper waschen können. Von Huacachina aus treten wir den Rückweg nach Ica an, von wo aus wir zu einem Weinanbaugebiet fahren. Eine Führung durch die Anlage macht gleich mal Lust auf ein Gläschen Wein oder einen guten Pisco. Dieses Bedürfnis wird mit der anschließenden Verköstigung zur Genüge gestillt. Zum Abschluss heißt es dann, wir würden eine der berühmten Chocoteja-Fabriken sehen. Chocotejas sind Pralinen, die einen Mandelkern beeinhalten und umhüllt sind von einer Zuckerglasur oder Schokolade. Mmmh! Wieder Erwartens landen wir bei einem Haus, wo grad einen Familienversammlung abgehalten wird. Von Fabrik ist nichts zu sehen. Nur ein paar Fotos dürfen wir besichtigen, die die Erfinderin der Pralinen mit ihren berühmten Besuchen zeigt. Auf Nachfragen wird uns gesagt, dass Sonntags nicht gearbeitet wird und so ziehen wir etwas enttäuscht wieder ab. Aber da eh schon der Bus zur Weiterfahrt nach Paracas auf uns wartet haben wir nicht lange Zeit zum Mosern. Paracas ist eine Halbinsel gut 2,5h von Lima entfernt. Wieder werden wir von der Agentur abgeholt und zu einem schönen Hotel gebracht. Hungrig wie immer machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Irgendwelche kleinen Biester stechen mich in beide Unterarme und bis heute lassen zwei große blaue Flecken an die Stiche erinnern. Irgendwie unheimlich, da es aussieht, als hätte mich jemand verprügelt und solche Stiche hab ich noch nie gehabt. Besser mal etwas beobachten. Mit dem Essen haben wir nicht viel Glück. Da es in dem ganzen Dorf ausschließlich Hähnchen zu geben scheint kauf ich mir ein paar Kekse und zwei Semmelchen. Gustavo wird letztlich extra etwas bei der Straßenverkäuferin Zuhause zubereitet und so geht auch dieser Tag wieder zu Ende. Noch einmal heißt es früh raus aus den Federn. Um 8am legt unser Motorboot zu den Islas Ballestas, auch Klein-Galapagos genannt, ab. Dort angekommen erwartet uns ein beeindruckendes Schauspiel. Horden von Seelöwen mit ihren Jungen, zahlreiche Vogelarten, Pinguine und Pelikane. Wahnsinn! Ganz friedlich liegen die Insel mitten im Meer und abgesehen von einer Forschungs- und Beobachtungsstation befindet sich nichts außer Tieren darauf. Zufrieden kehren wir wieder ans Festland zurück. Und schon befinden wir uns wieder auf dem Rückweg. Über Pisco und Chincha erreichen wir am Nachmittag Lima.

Und somit habe ich bis auf ein paar Kleinigkeiten alles gesehen, was ich in Peru kennenlernen wollte. Museen und Sehenswürdigkeiten um Lima werde ich die Tage noch besichtigen und der Rest bleibt für meine nächste Reise in das Andenland :).

Heute habe ich mir in Callao (Teil von Lima) eine Festung angesehen, welche von den Spaniern errichtet wurde und letztmalig im Krieg zwischen Peru und Chile in den 80er-Jahren Verwendung fand. Mittlerweile wurde die Festung teils zu einer Kaserne, teils zu einem Museum umfunktioniert.

Morgen werde ich Richtung Süden fahren. Über Chincha geht’s nach Cañete und von dort aus nach Lunahuaná. Sind ein paar Orte, die ich noch nicht kenne. Keine große Sache, aber zum Kennenlernen sicherlich ganz schön.

Noch zwei Wochen dann bin ich wieder bei euch :). Freu mich schon riesig euch alle wieder in meine Arme schließen zu dürfen.

Freitag, 8. Februar 2008

Endspurt in Perú und meine letzte Reise


Lange hab ich nichts mehr von mir hören lassen. Im Moment genieße ich meine letzten Tage hier in Peru. Von einem Strand geht´s an den nächsten. Zum Glück findet sich immer wer, der gerade Zeit hat, um mit mir auf Entdeckungstour zu gehen. In Evelyn habe ich eine gute Freundin gefunden und da sie erst Ende Februar mit ihrer Ausbildung zur Kosmetikerin beginnt nutzen wir die freien Tage, um am Strand zu relaxen. Nächstes Wochenende dann geht´s mit Rosa, ihrer Freundin, evtl Anna und Evelyn an den Strand. Werden die Nacht dort im Zelt verbringen und da freu ich mich schon richtig drauf. Langweilig wird mir also nach wie vor nicht :). Gestern war ich auf einem Konzert von Mar de Copas, einer peruanischen Rockband, und heute Abend starte ich meine vorerst letzte Reise. Eigentlich war geplant, dass Eduardo und Gustavo sich mir anschließen, doch leider ist Eduardo unerwartet krank geworden und musste kurzfristig absagen :(. Naja, immerhin muss ich nicht alleine Reise. Um Mitternacht nehmen wir also den Bus Richtung Süden, nach Nazca. Dort werden wir dann in einem Flugzeug über die geheimnisvollen Linien von Nazca fliegen und voraussichtlich noch am selben Tag weiter nach Ica fahren. Was es in Ica noch zu sehen gibt, da lassen wir uns mal überraschen, da durch das Erdbeben das meiste zerstört wurde. Als letzte Station besichtigen wir die Islas Ballestas bei Pisco. Die Inseln werden auch Klein-Galapagos genannt und angeblich stößt man dort auf Seehunde. Hoffentlich haben wir Glück. Am Sonntag Abend oder Montag morgen treten wir schließlich die Rückreise nach Lima an.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und ich meld mich sobald ich zurück bin.

Montag, 28. Januar 2008

Back to Lima



Immer noch spüre ich die Nachwehen der 12stündigen Busfahrt. Aber die Strapazen wars wert.

Am 21.01. machen wir, Gustavo und ich, uns auf den Weg nach Trujillo, in den Norden Peru´s. Dort angekommen funken wir gleich einmal einen bekannten Taxifahrer von Andres, Cousin von Nik, an, der uns dann auch prompt eine tolle Unterkunft organisiert. Jaja, was würde man nur ohne die ganzen Kontakte machen :).
Noch früh genug dran organisieren wir uns eine Tagestour zu den Ruinen Trujillo´s. Um 10.30am geht’s dann los. Die Huacas del Sol y de la Luna (Mond- und Sonnentempel) sind einstige Tempelbauten der Moche-Kultur (200-800 n.Chr.), welche v.a. religiösen Zwecken dienten. Erbaut wurde die Anlage aus luftgetrockneten Lehmziegeln (Adobe) und zahlreiche Wandmalereien sowie mosaikartige Auswuchtungen sind noch heute gut erkennbar. Bereits mitten drin in der prekolumbianischen Welt des Andesstaates besichtigen wir im Anschluss die Huaca Arco Iris (Regenbogen- oder auch Drachenpyramide genannt), einer zeremoniellen Stätte der Chimu-Kultur (1250-1470 n.Chr.), welche sich durch ihre Regenbogenreliefs auszeichnet. Kleiner Abstecher ins Museum und ab zum letzten und zugleich einem der beeindruckendsten Zeugnisse der peruanischen Vergangenheit, Chan-Chan. Chan-Chan war die Hauptstadt des Chimu Reiches und erstreckte sich über eine Fläche von 20km. Damit war sie die zum damaligen Zeitpunkt größte aus Adobe erbaute Stadt der Welt.
Genug Ruinen an einem Tag, so eindrucksvoll alles auch ist, doch die 9stündige Busfahrt sitzt mir doch noch ganz schön in den Knochen. Und da die Tour an Trujillo´s schönstem Strand, Huanchaco, endet bleibt auch noch Gelegenheit, um etwas zu relaxen. Abends dann nur noch was Leichtes zum Essen und ab ins Bett.
Den Mittwoch verbummeln wir dann in Trujillo. Eigentlich war ein Strandtag geplant, doch da die Sonne sich hinter den Wolken versteckt und wir noch am Planen unserer Reise sind bleiben wir im Zentrum. Informieren und bei verschiedenen Reiseagenturen, kaufen schließlich Tickets für die Weiterfahrt nach Chiclayo und besuchen Abends Gustavo´s Bruder und dessen Familie. Am Donnerstag sitzen wir dann auch schon wieder im Bus Richtung Norden. Gegen Mittag erreichen wir die Stadt der Freundschaft (Ciudad de la Amistad), wie Chiclayo auch genannt wird. Nachdem mir von verschiedenen Seiten zu Ohren gekommen ist, dass Chiclayo an sich nicht schön sei, ist zunächst geplant nur kurz dort zu verweilen. Aber da man nicht immer auf das vertrauen sollte was andere sagen, fühle ich mich überraschend schnell so richtig wohl dort. Finden ohne langes Suchen eine Hospedaje und erkundschaften die Stadt. Das wichtigste Museum der Gegend nehmen wir uns für Freitag vor, da wir zunächst einmal in Erfahrung bringen wollen, wo ich in der Region die Ayahuasca probieren kann. Immer von den Wunsch befangen das Halluzinogen innerhalb einer Zeremonie zu testen scheint sich mir hier die Möglichkeit zu bieten. Machen also den Mercado de Brujos (Hexenmarkt) ausfindig und fragen uns dort durch die Stände. Stoßen auch auf einige Typen, die sich Schaman schimpfen, richtig vertrauenswürdig erscheint mir aber letztlich keiner. Im Internet lese ich dann zufällig von einem kleinen Dorf, Salas, unweit von Chiclayo, welches bekannt ist für seine brujos (Hexer) und curanderos (Heiler). Kurzum springen wir in den Micro und düsen nach Salas. Zwei Stunden tuckern wir über unwegsames Terrain bis wir schließlich den idyllischen Ort mitten im Nichts erreichen. Schon im Bus lernen wir einen jungen Kerl kennen, dessen Vater curandero zu sein scheint. Also spazieren wir dort als erstes einmal hin. Leider habe ich kein Glück, da seine nächste Zeremonie schon ausgebucht ist. Zum Abschluss gibt er uns noch den Tipp in einem der beiden Hotels von Salas nachzufragen, da die uns einen Schamanen empfehlen könnten. Nun gut, leichter gesagt als getan. Da es in dem Örtchen keine Touristen zu geben scheint, ist demzufolge auch das Hotel geschlossen. Aber wir haben Glück und stoßen bald auf einen etwa 15jährigen Jungen, der das Hotel zu managen scheint. Da die Leute dort sehr offen und hilfsbereit sind, bringt er uns auch gleich an den letzten Winkel von Salas, wo wir auf einem kleinen Hügelchen ein Adobe-Haus vorfinden, welches von einem curandero bewohnt wird. Da mir der curandero sympathisch und vertrauenswürdig erscheint einigen wir uns letztlich auf S./150 für eine Zeremonie mit dem San Pedro. San Pedro ist ein Kaktus, der als Halluzinogen verwendet wird. Da die Ayahuasca vorrangig im Dschungelgebiet verwendet wird bleibt für mich nur San Pedro, um letztlich doch noch meine Erfahrung hinsichtlich der traditionellen Reinigungsriten sammeln zu können. Geplant ist das ganze für Freitag Nacht. Somit bleibt am Freitag Nachmittag noch genug Zeit das Museo de Tumbas Reales de Sipán zu besichtigen. 1987 wurde mit dem Grab des Señores de Sipán erstmals eine intakte unbeschädigte Grabstätte eines prekolumbianischen Herrschers gefunden wird. Zusammen mit dem König, welcher um 250n.Chr. lebte, wurden u.a. drei Frauen, ein Priester, ein Kind und zahlreiche unschätzbare goldene Grabbeigaben vorgefunden. Die Fundstücke sind im Museum zu bewundern und ich muss sagen, dass ich noch nie so ein schönes Museum gesehen hab. Den ganzen Nachmittag verbringen wir dort und fahren im Anschluss weiter nach Salas, wo bereits der curandero die Zeremonie vorbereitet. Um 9pm geht’s dann endlich los. Alles ist dunkel, nur eine Öllampe erlaubt einen spärlichen Blick auf die Decke mit allen notwendigen Utensilien. Aus einem Topf wird mir eine Gläschen San Pedro serviert, das ziemlich bitter schmeckt. Die Zeremonie ist mehr auf Körperreinigung als alles andere ausgelegt. Zwischen Gesang und Gebet reicht er mir hin und wieder eine Muschel mit flüssigem Tabak, welchen ich durch die Nase einnehmen muss. Naja, ziemlich unangenehm würde ich sagen. Aber was macht man nicht alles :). Bis gut 2am dauert das Ganze. Visionen haben ich leider nicht, da San Pedro im Gegensatz zur Ayahuasca doch etwas schwächer zu sein scheint. Der Vorteil dabei, mir geht es richtig gut am nächsten Tag, bis auf die Müdigkeit. Keine Nachwehen, keine Übelkeit und weniger Hunger als zuvor hab ich auch. Alles in allem eine interessante Erfahrung. Leider alles etwas zu christlich angehaucht, aber man muss alles mal kennen lernen. Nach der langen Nacht legen wir einen Strandtag in Pimentel (schönster Strand von Chiclayo) ein. Blöd nur, dass wir die sich nähernde Flut übersehen. Gerade wollen wir unsere Sachen packen, um uns auf den Rückweg zu machen, als uns eine Welle erwischt. Pitschnass mache ich mich sofort auf die Suche nach meinen Schuhen, die vom Boden verschluckt sind. Glück gehabt, denn nach kurzem entdecke ich sie :). Weniger Glück hat Gustavo, da ein Dieb den hektischen Augenblick nutzte, um sich seine Sonnenbrille zu krallen. Nun gut, kann man jetzt auch nix mehr machen. Flanieren noch ein wenig an der Strandpromenade entlang. Und da wird uns zum wiederholten Male die nette Art der Chiclayaner bewusst. Nicht umsonst scheint man von der Stadt der Freundschaft zu sprechen. Von allen Seiten sprechen einen wildfremde Leute an, wollen ein wenig mit dir plaudern, erzählen von ihrem Leben und ohne zu lästig zu werden verschwinden sie plötzlich wieder. Besonders bewusst mir das nachdem ich die Menschen in Trujillo ein wenig kennen gelernt hab. So verschlossene Menschen hab ich noch nie gesehen. Fragst du jemanden auf der Straße nach dem Weg traut sich kaum jemand dir in die Augen zu sehen, geschweige denn mit dir zu sprechen. Ein Grund mehr sich in Chiclayo wohl zu fühlen. Lassen den Tag ausklingen und schon ist Sonntag. Versuchen für Abends Bustickets zurück nach Lima zu organisieren. Hätten wir wohl mal früher machen sollen, denn alle Busse scheinen ausgebucht zu sein. Gerade bei Langstrecken sollte man normalerweise mit namhaften Unternehmen fahren, doch das geben wir schnell auf. Letztlich entscheiden wir uns für ein Reiseunternehmen namens Super Latino :). Gustavo, der wohl schon mehrere schlechte Erfahrungen als ich in Peru gemacht hat, checkt die Lage, überwacht wie die Koffer verladen werden und beobachtet vermeintliche Taschendiebe. Scheint alles soweit in Ordung zu sein, also steigen wir um 7pm in den Bus und kommen unbeschadet nach 12 Stunden Fahrt in Lima an.
Wieder einmal eine superschöne Reise, mit zahlreichen Erinnerungen und Erfahrungen. Eine meiner vorerst letzten Reisen in diesem wunderschönen Land.

Montag, 21. Januar 2008

Trujillo - Cajamarca - Chiclayo




Wieder auf Reisen!
Bin ab heute für eine Woche wieder on tour. Zunächst gehts nach Trujillo, von dort aus nach Cajamarca und zuletzt nach Chiclayo!
Meld mich sobald ich zurück in Lima bin :)

Mittwoch, 16. Januar 2008

Zwei Wochen, tausend unvergessliche Bilder *:)*

Seit dem 9.Januar bin ich nun schon wieder in Lima. Noch am selben Tag musste ich Alex verabschieden, was mir noch schwerer als ohnehin schon gefallen ist, da mein Schatz beim Versuch Tarzan zu spielen einen Unfall hatte und somit mit Schmerzen zurück nach Deutschland musste. Dazu aber später. Die ganzen Eindrücke der letzten Wochen hab ich immer noch nicht ganz verarbeitet. War eine wunderschöne Zeit mit vielen vielen tollen Erinnerungen.
Fangen wir am 26.12. an. Mittags starten wir unsere große gemeinsame Reise in den Süden Peru´s. Planmäßig kommen wir gegen 14Uhr in Arequipa an. Mit uns on tour sind Anna, ihre Freundin Zivi, Doris und Wolfgang (Eltern von Anna). Überraschenderweise scheint die Sonne und es ist richtig schön warm in der wunderschönen Kolonialstadt. Arequipa wird auch „Ciudad Blanca del eterno cielo azul“ (Weiße Stadt mit einen beständig blauen Himmel) genannt und liegt 2300m Höhe. Ist also der optimale Ausgangspunkt, um sich langsam zu akklimatisieren. Nachdem wir eine günstige Unterkunft gefunden haben machen wir uns gleich auf den Weg zum Monasterio Santa Catalina, einem traumhaft schönen Kloster mitten in der Stadt. Gefangen genommen von der Stille und der feinen Farbabstimmung der Klosteranlage spazieren wir durch Gässchen und Steinbögen und genießen das Ambiente. Nach einigem Herumirren stoßen wir schließlich wieder auf unsere Reisegefährten und schließen unseren kleinen Ausflug mit einem gutem Kaffee in der hauseigenen Cafetería ab. Abends gönnen wir uns noch ein leckeres Essen in einem der gemütlichen Restaurants der Stadt. Die Mehrheit bestellt rocotto relleno und ich hab so meinen Spaß daran zu beobachten wie sich Gesichter mir gegenüber nach und nach rot färben und mir die ersten Schweißperlen entgegen blitzen :-). Rocotto ist eine Art Peperoni, die besonders scharf ist, in Perú aber bei sehr vielen Gerichten als Geschmacksverstärker (oder auch Geschmackstöter) hinzu gemischt wird. Am 27.12. beginnen wir den Tag mit einem guten Frühstück auf der Dachterrasse unserer Hospedaje und starten wenig darauf unseren ersten Ausflug, der die beiden folgenden Tage ausfüllen wird. Mit dem Bus geht es bis auf eine Höhe von 4800m, bis wir schließlich in Chivay (3600m) landen, wo wir die Nacht verbringen werden. Soroche (Höhenkrankheit) verspürt zum Glück keiner, sodass der weiteren Reise nichts in die Quere zu kommen scheint. Nach einem guten Essen in Chivay, begleitet von Folklore-Musik und Tanz, ziehen wir uns dann auch schon zurück, damit wir fit für den nächsten Tag sind. Am Morgen heißt´s dann schon um 5Uhr aufstehen, da uns um 7Uhr unsere Bus zum Cañon de Colca bringen wird. Der Cañon zählt mit 3200m zu einer der tiefsten Schluchten weltweit und fast täglich werden dort Kondore gesichtet. Durch ihre Flügelspannweite, die bis zu 3,2m erreichen kann, bieten die enormen Vögel einen beeindruckenden Anblick. Leider warten wir an diesem Morgen vergeblich.

Nun gut, ein kleineres Exemplar haben wir schon entdeckt :-). Immerhin!

Am späten Nachmittag erreichen wir wieder Arequipa. Eine weitere Nacht in der weißen Stadt und dann geht’s auf ins nächste Abenteuer. Frühstück, Schlendern durch die Plaza de Armas und ein köstliches Eis zum Abschluss (queso helado „Käseeis“) und dann ab in den Bus Richtung Puno. Abends erreichen wir die Stadt am Ufer des Titicaca-Sees. Finden ein recht luxuriösen Hotel für wenig Geld und müde von der 6stündigen Reise ist nach dem Abendessen Feierabend. Puno ist ein nicht besonders schöne Stadt auf 3800m Höhe und dient für die meisten lediglich als Ausgangspunkt für einen Ausflug auf den größten Süßwassersee Südamerikas nutzen. Den See trennt die Grenze zwischen Peru und Bolivien, weshalb die Peruaner stolz sagen: „Titi steht für Peru und Caca für Bolivien“ *:)*. Auch uns interessieren v.a. die Inseln, welche den See zieren. Mittlerweile haben wir schon den 30.12. Zeitig begeben wir uns zum Hafen von Puno und machen es uns auf einem der vielen Boote gemütlich. Sonnenschein, ein kühles Windchen und das Reflektieren des Wasser können zu bösen Nachwehen führen. So hatte Anna schon einmal Verbrennungen 2. Grades und Einheimische erzählen mir von einem Sonnenbrand, welcher selbst ohne Sonne entsteht. So werden die Menschen in Puno allein durch die Kälte der Andenstadt braun und haben ständig rote und aufgeritzte Bäckchen aufgrund des rauhen Klimas. Doch wir haben natürlich an alles gedacht und mit unserem 50 LSF werden wir nicht einmal rot. Kaum auf dem Wasser erreichen wir schon die Urus-Inselgruppe. Urus sind islas flotantes (schwimmende Insel), die künstlich errichtet wurden und das Zuhause für zahlreiche Völkchen bieten. Die Inseln bieten ein wunderschönes Bild mit ihren Strohhäuschen und Schilfrohren, doch leider sind sie mittlerweile viel zu touristisch ausgerichtet, was den Zauber verschwinden lässt. Nach einem kurzen Aufenthalt auf einer der Inseln kurven wir noch mit einem der typischen Boote, die wie Wikingerschiffchen aussehen, an ein anderes Ufer und setzen schließlich unsere Fahrt zu einer der schönsten und größten Inseln auf peruanischer Seite fort. Taquile erinnert ein wenig an Griechenland oder auch Bilder aus Italien. Sehr idyllisch gelegen bietet die Insel einen unvergesslichen Anblick. Der Aufstieg bis zum Hauptplatz kostet viel Kraft, nicht wegen der körperlichen Anstrengung, viel mehr aufgrund der dünnen Luft, welche einem den Atem raubt. Endlich am Ziel angelangt relaxen wir ein wenig und probieren zugleich die Küche auf Taquile. Nicht zu vergessen, dass Alex heute Geburtstag hat! Also bekommt er einen liebevoll dekorierten Panqueque (Pfannkuchen) mit einer kleinen Kerze serviert. Soweit so gut, aber das Geburtstagsständchen scheint dann doch zu viel des Guten zu sein, zumindest verrät das Alex´Gesichtsfarbe *:)*. Mit vollem Bauch und ein paar Stunden Erholung machen wir uns auf den Rückweg nach Puno. Mit einem tollen Abendessen, abermals einer kleinen Geburtstagsüberraschung für Alex und einem Gläschen Wein lassen wir den Tag ausklingen. Und schon ist es soweit. Um 8Uhr morgens meine erste Zugfahrt in Peru. Mit dem Perurail (englische Zuglinie), im Backpacker-Abteil düsen wir nach Cusco (3416m), um dort Silvester zu verbringen. Nach vielen Stunden Fahrt erreichen wir die Andenstadt. Erschöpft von der Reise machen wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft. Schließlich finden wir ein Zimmer, mehr Kerker als alles andere, aber für eine Nacht ausreichend. Kurz darauf treffen wir uns mit Hannah und Alfredo, die schon seit einigen Tagen in Cusco sind. In einem urgemütlichen Restaurant treffen wir dann auch noch auf Theresia mit Anhang. Alle scheints in der verträumte Städtchen verschlagen zu haben. Leider schlägt mir das viele Essen auf der Höhe ein wenig auf den Magen, aber da er ja keine andere Wahl hat als stark zu bleiben, geht’s ihm auch schon bald wieder besser. Um 12Uhr stoßen wir mir zwei Flaschen Sekt und einem Coca-Panetón auf das neue Jahr an. Recht viel mehr läuft dann in dieser Nacht nicht mehr. Müde von den Reisestrapazen ziehen wir uns kurz darauf in unser Loch von Zimmer zurück. Viel Schlaf gekommen wir logischerweise nicht ab, da überall ausgiebig gefeiert wird. Aber ein wenig Schlaf ist besser als gar nix *;)*. Am folgenden Morgen wechseln wir als erstes einmal die Unterkunft. Anna hat uns ein super Hotel empfohlen und das soll auch bis zum Schluss unserer Reise unsere Herberge bleiben. Wir starten in den ersten reisefreien Tag. Frühstück, Stadtbummel, lecker Abendessen. Tut auch einmal gut. Am 2.Januar ist dann eine Tour durch das Heilige Tal geplant. Leider verschluckt der Geldautomat kurz zuvor noch meine EC-Karte und dämpft so die Stimmung ein wenig. War wohl abgelaufen die Karte, nun gut. Nach vergeblichen Versuchen sie zurück zu gewinnen gib ich mich letztlich geschlagen und versuch das ganze erst einmal zu vergessen. Gibt schließlich für alles eine Lösung. Und die beeindruckenden Bilder der Reise lassen die Geldprobleme auch tatsächlich schnell wieder in den Hintergrund rücken. Wir passieren die Ruinen von Saqsaywaman, für deren Besichtigung wir leider keine Zeit mehr haben werden, gelangen an die Ruinen von Pisaq und in Urubamba wartet schon ein gutes Essen auf uns. In Pisaq haben wir endlich mal wieder die Möglichkeit ein wenig zu marschieren, da die Ruinen auf einem kleinen Berg liegen. Nach dem Mittagessen steuern wir Ollantaytambo an, wo die ganze Reisetruppe die berühmten Ruinen besichtigt, während Zivi, Alex und ich zum Bahnhof wandern um ein Zugticket nach Aguas Calientes (Machu Picchu) zu ergattern. Am Morgen hatten die beiden es ohne Erfolg versucht, doch so schnell geben wir nicht auf. Kurz um, wir haben Glück. Also suchen wir uns noch schnell eine Unterkunft und fahren noch ein Stück weiter nach Chinchero. Dort endet für uns drei dann auch der Ausflug. Mit Micros tuckern wir zurück nach Ollantaytambo, um von dort aus zum Weltwunder Machu Picchu zu reisen. Um 4:30Uhr klingelt dann auch schon der Wecker. Verschlafen wandeln wir zum Bahnhof und kommen um 7Uhr in Aguas Calientes an. Aguas Calientes ist ein kleines touristische Dorf am Fuße von Machu Picchu. Wir haben Glück und finden eine günstige Unterkunft für die Nacht. Also nehmen wir einen der ersten Busse, der uns zur Inca-Stadt Machu Picchu bringt. Wow!!!! Nebel verhangen liegen sie vor uns, die Ruinen der einstigen Inca-Stadt. Eine Energie, ein Zauber, den man nur versteht, wenn man selbst dort ist. Gleich machen wir uns auf den Weg Richtung Waynapicchu, da nur 400 Menschen pro Tag der Aufstieg auf den Berg erlaubt wird. Ein wenig kommen wir dann doch ins schwitzen, doch nach einer guten Stunde erreichen wir den Gipfel. Die Aussicht auf Machu Picchu raubt einem dem Atem. Der Nebel zieht sich nach und nach zurück und die Sonne bietet einen unglaublichen Anblick. Hinter einem Felsen versteckt packen wir unsere Brotzeit aus, da Essen in der Anlage angeblich verboten ist, und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Bestimmt eine Stunde verweilen wir in 2700m Höhe, bevor wir den Abstieg antreten. Bis ca. 3Uhr schlendern wir noch durch die Ruinen, genießen die Sonne und lassen das Ambiente auf uns wirken. Pünktlich mit Beginn des Regens verlassen wir Machu Picchu und steigen ab nach Aguas Calientes. Kleine Jungs, als Indianer verkleidet, machen sich einen Spaß daraus auf dem serpentinen-förmigen Weg die Busse abzufangen, welche die Touristen wieder ins Dorf bringen. Klar, dass sie sich dadurch ein kleines Trinkgeld erhoffen. Wieder im Tal angekommen haben wir uns erst einmal eine ausgiebige Dusche und was zum Essen verdient. Der Pisco Sour, welcher uns den Abend versüßen soll, ist jedoch so ein richtiger Reinfall. Der schlechteste Pisco, den ich bisher getrunken hab. Auch wenn er billiger war, da wir zuvor noch ein wenig verhandelt haben, hätten wir uns den wirklich sparen können. Nun gut, es gibt Schlimmeres. Ab ins Bett, schließlich brauchen wir wieder Power für den nächsten Tag. Und dieses Mal können wir endlich mal wieder ein wenig ausschlafen. Zum Frühstück dann trockenes Brot, Kekse und einen Käse, der mehr wie Kaugummi schmeckt als alles andere und weiter geht’s. Mit dem Zug kehren wir nach Ollantaytambo zurück, organisieren und schnell einen Führer, der uns durch die Ruinen begleitet und fahren über Urubamba zurück nach Cusco. Im Reisebüro wartet man schon auf die Bezahlung unserer Reise in den Dschungel. Das ganze gestaltet sich etwas kompliziert, da sie meine Kreditkarte zunächst nicht annehmen wollen und mich mich sträube damit so viel Geld abzuheben,da mir die Gebühren zu hoch sind. Aber da man nur etwas hartnäckig bleiben muss, um zu erreichen was man will, findet sich dann doch noch ein Reisebüro über das ich mit Karte zahlen kann. Da alle untereinander zusammenarbeiten können wir unser Problemchen schließlich lösen. Auf dem Weg zum Hotel, wo Alex bereits wartet, will ich noch schnell unsere gereinigte Wäsche abholen, die schon seit Tagen an unser Hotel geliefert werden sollte. Plötzlich meint die Frau von der Wäscherei ich hätte nie den Auftrag gegeben, die Wäsche dorthin zu bringen, noch hätte ich bisher die Reinigung bezahlt. Nach einigen Erklärungsversuchen platzt mir dann aber doch der Kragen und als sie merkt, dass sie mich nicht verarschen kann gibt sie mir endlich meine Sachen und ich düse ab. Wow, ein Tag der mich ganz schön viele Nerven kostet. Aber ich hab schon gelernt alles am besten mit Humor zu nehmen. Denn ohne Humor erschwert man sich das Leben in Peru schon ganz schön. Leider bleibt uns bloß der heutige Abend, um Cusco´s Künstlerviertel kennen zu lernen. Wir treffen uns mit unsere Reisegruppe und gönnen uns einen guten Kaffee, bevor wir die letzten Vorbereitungen für den Manú (Dschungel) in Angriff nehmen. Nun ist es an der Zeit unsere Leute zu verabschieden, da nur Alex und ich in den Dschungel fahren. 4 Tage Manú!!!! Unser letztes gemeinsames Abenteuer in Peru.
Am 5.1. um 5.30Uhr warten wir ungeduldig auf unseren Abholservice. Und bald darauf sitzen wir auch schon im Bus Richtung Manú. Dazu muss man gleich einmal erwähnen, dass im peruanischen Dschungel die Zeit stehen zu bleiben scheint, da wir uns auf der ganzen Reise laut Uhr im Auto zwischen 12 und 15Uhr bewegen. Schnell finden wir heraus, dass die Uhr jedes Mal wenn der Motor abgestellt wird wieder bei 12Uhr anfängt. Ist nur ein kleines Detail, das manchen als unwichtig erscheinen mag, doch eben diese Feinheiten machen Peru aus. Was spielt es schon für eine Rolle, ob es ein oder zwei Stunden später ist, ob man eine Stunde zu spät in die Arbeit kommt, ob man die Angebetete 50Minuten warten lässt. Geht alles nicht so genau *;)*. Auf der über 8 Stunden langen Reise machen wir einige Male Halt, um uns die Füße zu vertreten und auf die Suche nach Waldbewohnern zu gehen. Pitschnass sind wir bald und obwohl ich es abgelegt hab allzu pingelig zu sein fühl ich mich doch etwas unwohl in meiner Haut, da ich nur eine Hose mitgenommen hab und ich bei der feuchten Luft befürchte, dass die Sachen nicht gerade schnell trocknen werden. Aber Trübsal blasen ist jetzt gar nicht angesagt, denn schon bald entdecken wir eine Affenbande, die fröhlich von Baum zu Baum springt. Zahlreiche Schmetterlinge, Würmchen und Blumen lassen uns schnell eintauchen in die Faszination Dschungel. In Ninamarca sehen wir uns die Chullpas, „Gräber“ aus vergangener Zeit, an welche mehr an kleine Lehmhäuschen als an Grabstätten denken lassen. Klein aber doch sehenswert ist ein Stück weiter die Kolonialstadt Paucartambo, welche doch sehr den Kontrast zur indigenen Architektur erkennen lässt. Noch einmal passieren wir die 4000m-Grenze, bevor wir dem Meerespiegel langsam wieder näher kommen. Kurz vor der San Pedro Lodge, welche uns die erste Nacht Herberge bieten wird, machen wir es uns auf einem Aussichtspunkt gemütlich, von welchem aus man Peru´s Nationalvogel, den Cock of the Rock, beobachten kann. Am frühen Nachmittag sind wird dann endlich am ersten Zielpunkt. Die San Pedro Lodge bietet zwar keinen Luxus, aber alles was notwendig ist, um sich ein wenig zu erholen. Und das machen wir auch erst einmal. Abends gibt’s dann noch eine Kleinigkeit zu essen und wir lernen Jeremith kennen, eine Peruanerin, welche als Praktikantin an der Reise teilnimmt und mir sehr schnell ans Herz wachsen wird. Schon bald nach Morgendämmerung packen wir wieder unsere Sachen und schwingen uns in den Bus. Wir passieren ein kleines Dorf, das sich durch seinen Coca-Anbau einen Namen gemacht hat. Also schauen wir uns das ganze doch gleich mal etwas genauer an. Julio, unser Reiseführer, weist uns gleich einmal in die Heilkunst der Coca-Pflanze ein.

So lassen bsp. die Samen jegliche Zahnschmerzen sofort verschwinden, sobald man sie sich auf die offene Stelle im Zahl legt. Verschwinden ist vielleicht der falsche Ausdruck, vielmehr betäubt werden die Schmerzen durch die Droge. Wieder etwas dazu gelernt geht’s weiter Richtung Pilcopata, wo uns bereits unser Rafting-Guide erwartet. Juhu! Wie lange hab ich schon Lust einmal Rafting auszuprobieren. Die Hälfte der Reisegruppe wird sich bis nach Atalaya Port durch die Fluten kämpfen und der Rest dann die Endspurt zur Erika Lodge hinlegen. Wow, macht das Spaß. Nachdem ich anfänglich gegen den Strom rudere und das Boot mehr einbremse als vorantreibe, lobt mich unser Guide schon bald und scheint auch wirklich angetan zu sein von meiner schnellen Auffassungsgabe *:)*. So springen wir von Welle zu Welle über den Río Alto Madre de Dios („Hohe Mutter Gottes“), einem der Hauptströme des Dschungelgebiets. Nach einer kurzen Motorboot-Fahrt im Anschluss kommen wir pitschnass an der Erika Lodge an. Mittagessen und schon geht das Abenteuer weiter. Nachtwanderung durch den tiefsten Dschungel. Nicht nur einmal muss Julio mit seiner Machete den Weg freilegen. Mit unseren kniehohen Gummistiefeln stampfen wir durch Flüsse und Matschgräben, balancieren über einen Baumstamm allein durch das gespannte Seil in Sicherheit wiegend und gelangen letztlich an eine Lichtung, welche erstmals so richtig schön den Blick zum Himmel eröffnet. Wahnsinn! Zunächst noch traurig, dass wir am Titicaca-See nicht die Möglichkeit hatten eine Nacht auf den Inseln zu bleiben, um den angeblich unbeschreiblich schönen Sternenhimmel zu sehen, werde ich hier schnell entschädigt. Atemberaubend! So ein Lichtmeer hab ich noch nie gesehen. Im Dunkeln warten wir mit Sicherheit eine gute halbe Stunde, in der Hoffnung auf einen Tapir zu treffen. Leider vergeblich. Dennoch will Julio alles versuchen, um uns zumindest einen Dschungelbewohner zu präsentieren. Kurzum lässt er uns im Fluss eine Ewigkeit stehen und verschwindet mit seiner Taschenlampe in der Dunkelheit. Knistern, ab und zu eine Lichtschein und die Zeit vergeht und vergeht nicht. Ich bin schon so müde, dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten kann. Dann endlich! Julio steht plötzlich wieder vor uns, mit einem Kaiman in den Armen. Respekt sag ich da bloß. Wie er den gefangen hat, das bleibt mir ein Rätsel, aber was verstehen wir Touristen schon von den Geheimnissen des Urwalds? Um 9pm sind wird wieder am Ausgangspunkt, fallen noch schnell über das Abendessen her und verkriechen uns dann unter unsere Moskitonetze im Bungalow, um wieder Kraft für den nächsten Tag zu tanken. Zu dem folgenden Tag von mir nur wenige Worte, da Alex sich im Krankenhaus bereits damit die Zeit vertrieben hat seinen eigenen Bericht zu verfassen.



Mein ganz persönliches Dschungelabenteuer
Es war Montag der 07.01.08. und wir lagen alle noch in unseren Betten der Erika-Lodge im Manú Nationalpark, als gegen 04.50 Uhr unser Guide Julio zum allmorgendlichen „good morning“ und „buenos dias“ an den Zimmern vorbeilief um uns zu wecken. Sein „in ten minutes“ trieb uns alle zur Eile an. Denn um 05.00 Uhr sollte schon die erste Unternehmung an diesem Tag beginnen. Ein Abstecher zu im Fluss befindlichen Steininselchen um dort die Vögel am Ufer bei ihrer Jagd auf Insekten zu beobachten. Als wir ankamen, war die Jagd allerdings schon beendet und die bunten Exoten der Lüfte waren bereits mit dem Reinigen ihrer Federn und dem Fressen von salzhaltiger Lehmerde beschäftigt. Gegen 07.00 Uhr waren wir zurück in unserer Lodge und es gab ein leckeres Frühstück. Danach wurde unsere Reisegruppe für den nächsten Part in zwei Halbgruppen aufgeteilt. Zusammen mit Tina, Jeremith, eine Peruanerin in der Ausbildung zum Guide und zwei Amis aus Governator-Country war ich mit unserem Guide in der Halbgruppe, die eine Dschungelwanderung unternehmen sollte. Die zweite Halbgruppe ging zum Canopi. Dabei schwingt man sich an einem Stahlseil, das von einem Baum zum Anderen gespannt ist, man ist natürlich mit Gurten und Karabinern gesichert von einer Plattform im Baum zur Nächsten. Auf unserer Dschungeltour kamen wir an einem Kakaobaum vorbei. Dessen Früchte musste ich natürlich probieren. Die Kerne der Kakaobohne schmecken etwas bitter. Man kann sie aber essen. Natürlich gab es auch Bananenbäume und unzählige andere für mich noch unbekannter Pflanzen zu sehen. Unser Weg führte uns zu einer Beobachtungsplattform mitten im Dschungel. Auf dieser verbrachten wir dann ein paar Minuten und beobachteten den Dschungel und den Himmel um uns herum. Bis auf ein paar Vögel habe ich nichts gesehen. Angeblich haben die Anderen eine kleine Wildsau entdeckt. Auf unserem Rückweg, der uns zum Beginn der Canopi-Tour bringen sollte, zeigte uns Julio welche Pflanzen Trinkwasser enthalten und wie man an dieses kommt. An einer Liane angekommen, blieb er stehen und erzählte uns, wie wichtig es ist zu wissen, wie man im Dschungel großen Tieren, wie dem Jaguar entkommt! Dazu muss man nur auf eine Pflanze klettern, die stark genug ist, damit ein Mensch hochklettern kann, aber zu dünn für den Jaguar ist. Dann wird der Jaguar unten warten und nach etwa 10 Minuten das Interesse verlieren und wieder in den Dschungel verschwinden! Und schon kletterte Julio die Liane hoch. In etwa acht Meter Höhe, zeigte er uns, wie leicht es ist, sich auch nur mit einer Hand an der Liane festzuhalten und turnte über unseren Köpfen herum. Als er wieder herunter geklettert kam, sagte er uns, dass wir auch hochklettern könnten. „It is save!“ Nach etwas Skepsis und anfänglichem zögern packte mich dann doch die Neugierde. Also ran an das Ding! Hände an die Liane, Füße um die Liane geklammert und einen Zug hoch. Kurzer fragender Blick zum Guide. Nach seinem Nicken, Füße angezogen und mit den Armen nach oben gegriffen. Dann das was keiner erwartete! Das Teil riss ganz oben, etwa zehn Meter über meinem Kopf ab und kam direkt auf mich zu! Selbstverständlich ging es sofort ungebremst zur Erde. Dort hatte ich eine unsanfte Landung auf dem Boden. Ich kam mit dem linken Fuß zuerst auf, da dieser unten an der Liane war. Die war immer noch um meinen Fuß gewickelt und darauf landete ich dann mit meinem restlichen Körper. Als ich dann so da saß, kam von oben noch jede Menge Grünzeug auf mich herab geprasselt. Ich habe die Gesichter der restlichen Gruppe nicht gesehen, nur das von Julio. Und das hat mir gereicht! Ich merkte sofort, dass da was nicht so ganz in Ordnung war mit meinem Fuß. Und so wurde mir der Gummistiefel ausgezogen. Julio tastete meinen Knöchel ab, und meinte, da sei nichts gebrochen. Beim Versuch aufzutreten musste ich aber schmerzhaft feststellen dass das nicht geht. Da wir mitten im Dschungel waren, war Hilfe nicht so schnell zu erreichen. Also gab mir Julio einen Stock, mit dessen Hilfe ich versuchen sollte zu gehen. Da das nur ein gerader Stock war, musste ich mich mit beiden Händen daran fest klammern und versuchte meinen linken Fuß so viel wie möglich zu entlasten. Das ging aber nicht besonders gut! Trotzdem humpelte ich eine Ewigkeit durch den Dschungel in Richtung Lodge, wie ich hoffte! Als ich nicht mehr konnte und eine Pause machte, lief Julio alleine zurück zur Lodge, denn diese war nur noch wenige Minuten entfernt wenn man schnell läuft, wie er meinte. Wir aber sollten unter Jeremith’s Führung einen anderen Weg gehen, um zum Fluss zu gelangen. Dort könnte ich meinen Fuß zum kühlen ins Wasser halten. Da kamen wir aber nie an. Denn nach einiger Zeit kam Julio mit seinem Notfallköfferchen und einem weiterem Peruaner zurück. Er wollte mir Tabletten gegen die Schmerzen geben. Die nahm ich aber nicht, da mein Fuß im entlasteten Zustand keine extremen Schmerzen verursachte. So saß ich da noch ein paar Minuten rum, als noch ein Schwung Peruaner von der Lodge bei uns auftauchte um mir zu helfen. Wie Tina erzählte, diskutierten Sie auf spanisch rum, ob ich noch zum Canopi mit könnte, oder es auf heute Nachmittag oder gar Morgen in der Früh verschieben sollte. Einer war so vernünftig und sagte, dass mein Fuß viel zu heftig angeschwollen war für das Canopi und dass ich es lassen sollte. Tina, Jeremith und die zwei Amis sind dann weiter zum Canopi gegangen und haben sich da amüsiert. Einer der Herbeigeeilten Peruaner, von dem die anderen sagten, er sei „loco“, also verrückt, weil er barfuß durch den Dschungel läuft, im Dschungel schläft und nachts fischen geht, Hackte mit seiner Machete einen kleinen Baum mit Astgabel um und fertigte daraus eine Krücke in Y- Form. Mit der konnte ich besser als mit dem Stock gehen, denn da konnte ich mein Gewicht in die Astgabel lehnen und meinen linken Fuß komplett entlasten und in der Luft lassen. Aber damit war ich Ihnen wohl nicht schnell genug. Denn bei der nächsten Pause begannen sie eine Trage zu bauen. Der „loco-Mann“ kletterte mit seiner Machete auf einen Baum, kappte da ein paar schnurähnliche Wurzeln ab, die irgendwie herabhingen und warf sie den Anderen zu. Diese rollten sie auf und brachen so die Fasern, damit sie biegsamer und geschmeidiger wurden. Als nächstes fällte und entastete er zwei etwa 2 Meter hohe Bäume und legte diese parallel zueinander auf den Boden. Er besorgte vier kurze Hölzchen, immer noch stark genug um mich zu tragen. Diese wurden als Querverbindung mit den biegsamen Wurzeln an den Baumstämmen im Abstand von etwa 40 cm festgeknotet. Nach nicht einmal 10 Minuten war die Behelfstrage fertig. Ich legte mich darauf und die Männer verteilten sich an die vier Ecken der Trage und hoben mich hoch. Zuerst am langen Arm, ging es durch den Dschungel. Nach einiger Zeit machten Sie eine Pause und legten mich ab. Jetzt wurde es ganz schön anspruchsvoll! Denn vor uns ging es relativ steil bergab. Auf einem engen, rutschigen, lehmig-bazigen Weg ging es langsam und mehr oder weniger sanft hinunter. Diesmal aber mit mir und der Trage hoch oben auf den Schultern der Männer. Oft hielt ich mich krampfartig an der Trage fest, aus lauter‚Angst, ich könnte hinunterfallen, da es doch zum Teil schräg zur Seite und steil nach vorne gelagert bergab ging. Zum Glück kamen wir ohne größere Zwischenfälle den Berg hinunter. Nach einer kurzen Pause ging es dann wieder geschultert, die letzten Minuten zurück zur Lodge. Dort angekommen, steckte ich meinen Fuß zur Kühlung in ein Wasserbecken. So wartete ich auf die Rückkehr der Anderen. Die kamen dann auch irgendwann am frühen Nachmittag zurück. Von da an hockte ich nur am Fluß oder sonst wo herum und relaxte. Mir wurde mein Fuß noch mit einer Salbe gegen Prellungen und Zerrungen eingerieben und einen Verband angelegt. Zum essen wurde ich immer von zwei Männern als Stütze begleitet. Und auch sonst wurde ich gut versorgt. Beim Abendessen hatte Jeremith eine Überraschung für mich bereit. Sie überreichte mir eine selbstgemachte Holzkrücke, die irgendwo auf dem Gelände der Lodge herumlag. Am nächsten Tag bin ich mit dieser Krücke und dem Rest der Reisegruppe, von unserer Lodge per Boot und Bus innerhalb von etwa neun Stunden zurück nach Cusco gefahren. In Cusco erst einmal ins Hostal und duschen. Dann mit Tina und Jeremith ab ins Krankenhaus und Röntgen lassen. Am nächsten Morgen nach einem Frühstück auf der Dachterrasse unseres Hostals ab zum Flughafen in Cusco und mit dem Flieger gegen 12.00 Uhr zurück nach Lima und in Tinas und Hannah`s Wohnung. Von da aus ging es dann um 21.30 Uhr wieder an den Flughafen. Denn um 01.20 Uhr wie wir da erfahren haben, nicht wie auf meinem Ticket um 00.20 Uhr startete der Flieger nach Atlanta. Gute sieben Stunden Flug! In Atlanta lange neun Stunden Aufenthalt. Diese habe ich überwiegend schlafend verbracht. Und dann um 16.45 Uhr Weiterflug nach München. Wieder etwa acht Stunden Flug. Das tolle ist, dass ich in jedem Flughafen, egal ob Cusco, Lima, Atlanta oder München aus dem Flugzeug oder zum Flugzeug einen Rollstuhl bekam und immer jemanden hatte, der mich anschob und mit mir die einzelnen Stationen beim Ein- oder Auschecken durchlief. Auch kommt man im Rollstuhl immer als erstes dran. Auch wenn da schon Hundert Leute eine Stunde lang warten. Im Rollstuhl hat man Sonderrechte.
In München gelandet, holte mich mein Vater zusammen mit meinem Opa ab. Sofort ging es zur Pionierschule in den SanBereich. Da war aber kein Arzt! Denn es gibt da nur Vertragsärzte und der hatte am Freitag keinen Dienst! Also die Wahl, SanAkademie in München oder SanBereich in Brannenburg. Da ich näher an Brannenburg als an München wohne, entschied ich mich für Brannenburg. Dort angekommen, sah mich der Arzt an und lies mich sofort nach Bad Aibling ins Krankenheus einweisen.
Da liege ich nun und warte wie es weiter geht!


Wo ich nicht darum herum komme ist ein Worte über mein Canopi-Abenteuer zu berichten. Nachdem ich Alex in der Obhut der Lodge-Besatzung lasse setzen Jeremith, Luke, Linsey und ich unseren Weg in die Tiefen des Dschungels fort. Nach einem schweißtreibenden Marsch gelangen wir schließlich auf eine gute Anhöhe, wo erst einmal ein paar Kekse zur Stärkung verdrückt werden. Und dann ist es soweit, wir legen das Canopi-Geschirr an. Und kaum dass man sich versieht hängen wir auch schon an einem Drahtseil, welches zwischen zwei Bäume gespannt ist und uns wie Vögelchen durch die Lüfte schweben lässt. Wowww! Viermal düsen wir so von Baum zu Baum, eigentlich viel zu wenig, aber der Spaß wars wert. Noch schnell von der Plattform abseilen und schon sind wir wieder auf festem Boden. Und zurück geht’s zur Lodge. Alex finde ich in einem Wasserbecken vor. Der Arme! Und schon bricht unser letzter Abend an. Mit Sangría und Gitarrenmusik lassen wir 3 Tage Dschungel ausklingen. Am 8.1. heißts nach dem Frühstück Abschied nehmen von Diana, Estefanie (zwei Peruanerinnen, die noch einen Tag länger bleiben) und von der Besatzung, die es uns wirklich an nichts fehlen ließ. Ein langer langer Rückweg steht uns bevor. Alex fühlt sich nicht gut. Sein Fuß tut weh und der steile Anstieg von 500 auf über 3000m Höhe in Verbindung mit den holprigen und kurvigen Straßen machen ihn ganz schwindelig. Doch ein Gutes hat sein Unfall dann doch. Als wir an einem Erdrutsch angelangen dürfen wir nur passieren, weil wir einen „Schwerverletzten“ an Bord haben, der dringend ins Krankenhaus muss. Die Gruppe dankt! Denn es kann schon einmal vorkommen, dass man ein paar Tage nicht durchgelassen wir. Glück im Unglück! Ein Stück weiter treffen wir auch noch auf die Coca-Polizei, die die Gelegenheit nutzt, die verhinderten Lkw´s auf Drogenschmuggel zu untersuchen. Wir können ohne Probleme unsere Reise fortsetzen. Am frühen Abend endlich wieder in Cusco laden wir die Sachen schnell im Hotel ab und schon steht Jeremith vor der Tür, um uns zum Krankenhaus zu begleiten. Ist echt ein Schatz! Die erste Klinik, die wir ansteuern ist aber übertrieben teuer, also fahren wir weiter zu einem öffentlichen Krankenhaus. Dort kommen wir auch prompt dran und es werden Röntgenaufnahmen von Alex´s Fuß gemacht. Ergebnis: Knochenriss! Kaufen ein paar schmerzlindernde Tabletten und kehren zum Hotel zurück. Am 9.1. noch ein Frühstück auf der Dachterrasse des Hotels und ab ins Taxi. Der Rückflug nach Lima steht unmittelbar bevor. Jeremith kommt noch zum Flughafen, um uns zu verabschieden. Schnell organisieren wir einen Rollstuhl für Alex und kaum dass man schauen kann wird er auch schon ins Flugzeug befördert. Also los, auf geht’s zurück in Perus Hauptstadt. Eine Stunde Flug und wir landen. Wow, ist es hier warm geworden in den zwei Wochen. Zum Glück warten Hannah und Alfredo schon auf uns. Den Stress mit den Taxis können wir uns also sparen. Wieder in Magdalena werden erst einmal die Koffer gepackt, schließlich darf Alex einen ganzen Schwung für mich mit nach Hause nehmen. Und wie die Zeit auf einmal vergeht. Um 22Uhr sind wir wieder am Flughafen und warten auf den Abflug nach Deutschland. Viel zu schnell ist unsere gemeinsame Zeit hier vergangen, aber die Bilder bleiben und ich bin glücklich, dass ich Alex einen kleinen Teil von diesem wunderschönen Land zeigen konnte. Nun hoffe ich nur, dass es meinem Schatz bald wieder besser geht, doch daran glaube ich ganz fest *:)*.