Montag, 16. März 2009

Ab morgen wirds ernst


16. März

Montag Nachmittag. Ich hab schon einen Haufen Arbeit hinter mir. Bin früh aufgestanden, wie jeden Tag, damit wir gemeinsam frühstücken können, bevor Gustavo aus dem Haus muss. Ist auch gut so, denn dann verschlafe ich nicht den ganzen Vormittag. Bügeln, Wohnung putzen, Englisch lernen und endlich habe ich auch die noch ausstehende Rezension (Buchkritik) für meinen Literaturkurs in Deutschland abgeliefert. Zur Belohnung habe ich mir dann in den Kopf gesetzt, mir ein Kleid zu kaufen. Gerade ist hier Schlussverkauf und man kann echt gute Schnäppchen machen. MAN kann, ich nicht. Bin mit leeren Händen wieder zu Hause eingetrudelt. Schade, aber sollte wohl nicht sein. Den Nachmittag gabs dann auch noch allerhand zu tun und soeben ist mir mein erster Nudelauflauf geglückt. Mmh! Ich werd noch ein richtiger Kochprofi, wer hätte das gedacht! Naja, will mal nicht übertreiben. Ab Morgen werde ich dafür bestimmt viel weniger Zeit haben, denn die Uni geht endlich los und da bin ich den ganzen Tag auf der Straße. Freu mich schon aufs studieren. Nur kann ich mich noch nicht entscheiden, welche Kurse ich genau besuchen möchte. Gibt so viele interessante, aber mehr als 2 – 3 kann ich unmöglich schaffen, da ich schließlich 10 Stunden Englisch die Woche habe. Außerdem besuche ich ab Anfang April einen Yoga-Kurs. Kanns kaum noch erwarten. Endlich tue ich mal wieder etwas für meinen Körper. Ihr seht, wie immer habe ich viele Pläne, möglicherweise zu viele, aber das spielt sich schon ein und schließlich bin ich doch hier, um etwas zu tun :).

Jetzt aber noch ein paar Worte zu den vergangenen Tagen. Sind am Samstag, vor zwei Wochen, tatsächlich an den Strand gefahren. War richtig erholsam, allerdings strengt die Sonne dann doch etwas an, sodass mir Abends keine Energien mehr hatten, um tanzen zu gehen. Schade! Aber irgendwann kriegen dir das auch noch hin. Am Sonntag habe ich Gustavo dann zum Fussballspielen begleitet. Bin mir etwas komisch vorgekommen, weil die ganzen Tanten die Spieler immer angefeuert haben und ich das ja überhaupt nicht gewohnt bin, Sportmuffel wie ich bin. Also habe ich mich bescheiden zurückgehalten und mich ein wenig mit Gustavo´s Cousine unterhalten. Im Anschluss standen noch einige Einkäufe an und dann gings wieder nach Hause. Haben nun sogar zwei Pflänzchen in der Wohnung. Wird also immer gemütlicher hier. Letzte Woche habe ich mir dann noch mal so richtig viel Zeit für mich genommen, bevor der große Sturm beginnt. War viel zu Hause, hab ein wenig die Gegend erkundschaftet und die Ruhe genossen. Nur am Mittwoch war ich an der Uni zur Willkommensveranstaltung für die internationalen Studenten. Werden von Jahr zu Jahr mehr. 2007 waren es etwa 70 und nun sind es schon mehr als 150. Ist interessant, weil sie von überall her kommen. Hab allerdings nur ein paar kennengelernt, denn zur Mittagszeit habe ich mich dann zurückgezogen. Ja und am Donnerstag hatte ich meine erste kleine Englischprüfung. Fast jede Woche steht wir eine Discussion Class auf dem Plan. Das heißt, wir müssen einige englische Artikel vorbereiten und zu einem davon dürfen wir dann ein paar Minuten sprechen. Das ganze wird benotet und zusammen mit einer kleinen schriftlichen Arbeit entsteht die Gesamtnote. Ist gut so, denn man lernt sehr viel, aber man muss auch einiges dafür tun. Ergebnisse erfahren wir allerdings erst am Monatsende. Apropos Englisch, letztens hatten wir zwei lustige Stunden. Pünktlich zu Unterrichtsbeginn ist der Strom ausgefallen und wir hatten uns schon gefreut nach Hause gehen zu können. Aber nix da! Jeder Lehrer ist mit einer kleinen Kerze angetanzt und hat das beste aus der Situation gemacht. Wir haben Charade gespielt. Das funktioniert in etwa wie Tabu. Es gibt also zwei Gruppen und jeweils einer aus der Gruppe muss mit Mimik und Gestik irgendjemanden oder irgendetwas imitieren. Der Rest darf erraten, um was es geht. Und gegen Ende der Stunden hat uns Jonathon, unser Lehrer, einen Witz erzählt, der ausnahmsweise mal zum lachen war. Denn bisher hat keiner je einen seiner amerikanischen Witze verstanden :). So sind wir mit einem lachenden Gesicht nach Hause marschiert. Was war sonst noch los? Nicht so viel. Für Freitag Mittag habe ich mich mit Claire zum essen verabredet (waren lecker arabisch essen) und den Samstag haben wir dann größtenteils mit Gustavo´s Mama verbracht. Nach meinem Zahnarzttermin sind wir gemeinsam essen gegangen, um im Anschluss noch einige Dinge zu erledigen. Friseur, Eisessen... War ein schöner Nachmittag. Kaum Zuhause gings auch schon wieder auf die Straße. Claire und Dino haben ihren Wohnungseinstand gefeiert (und das blüht uns kommendes Wochenende). Um ca. 3am ging unser Tag zu Ende und am Sonntag stand dann lediglich Wäsche waschen und faulenzen auf dem Plan. An den Strand haben wirs einfach nicht geschafft. Ist noch immer so heiß, dass man sich am liebsten in der kühlen Wohnung verkrümelt. That´s it so far!

Auf in eine spannende Woche mit vielen neuen Herausforderungen!

Freitag, 6. März 2009

Sonne, Strand und Englisch pauken

6. März

Wahnsinn, schon wieder Freitag. Meine Urlaubstage sind gezählt. Aber dafür genieße ich sie im Moment noch umso mehr.

Am Mittwoch hatte ich endlich Gelegenheit nach Hause zu telefonieren. Hatte Bedenken wegen der Internetverbindung, die wir hier haben, aber es gab letztlich kaum Unterbrechungen. So abhängig bin ich mittlerweile schon vom Internet, dass ich mich ganz verlassen ohne fühle. Schließlich möchte ich immer auf dem Laufenden bleiben über die Geschehnisse zu Hause.

Abends hatte ich das erste Mal Englischunterricht. Unser Lehrer kommt aus den USA und gestaltet die zwei Stunden ganz witzig, auch wenn der englische/amerikanische Humor manchmal etwas seltsam ist. Meine Mitstudenten sind fast alle um einiges jünger als ich, da fühle ich mich gleich richtig alt. Aber die Familien, die sichs leisten können, schicken ihre Kinder sobald als möglich auf Sprachschulen und Fortbildungsinstitute, damit sie später mal gute Chancen haben. Echt beeindruckend. Manche kommen von der Schule heim, gehen gleich im Anschluss zum Französischkurs und Abends dann noch ans Englischinstitut. Also faul ist man hier zumindest nicht. Gestern habe ich einen jungen Kerl kennen gelernt, denke er ist nicht älter als 16, der sogar schon seit der Grundschule Deutsch lernt. Respekt! Aber wie gesagt, das können sich nur die besser gestellten Familien leisten, denn die schicken die Kinder auf private Schulen, wo die Ausbildung um einiges besser ist. Oft sind es deutsche oder französische Schulen. Das Humboldt-College ist zum Beispiel sehr angesehen. Ich persönlich habe ein gutes Gefühl bei einen Englischklassen, denn 40 Stunden im Monat dürften mich doch ein gutes Stück voranbringen in Hinblick auf meine Englischkenntnisse.

Gestern habe ich meinen zweiten Kuchen gebacken. Dieses Mal ist er mir viel besser gelungen, was wohl an der Margarine lag, die ich ausprobiert hab. Da gibt es so viele Unterschiede und die gilt es erst einmal herauszufinden. Margarine ist nicht gleich Margarine. Und kaum habe ich den Kuchen aus dem Ofen geholt, stand auch schon Evelyn vor der Tür. Sie hat mir ein wirklich schönes kleines Schwimmbad in der Nähe gezeigt. Ist eigentlich ein Club, aber es darf jeder gegen Bezahlung rein. Ich glaube zu den Clubs hier habe ich noch gar nichts erzählt. Ein Club ist meist eine sehr große Anlage, mit Sportmöglichkeiten, Pool, Bungalows, vielen Grünflächen... Die Leute verbringen dort oft ihre Wochenenden, um der Metropole ein paar Tage den Rücken zu kehren. In die meisten Clubs kommt man jedoch nur rein, wenn man Mitglied ist und das muss man erst einmal werden. Denn das hängt ganz stark von deiner Gehaltsklasse ab. Man mag es Diskriminierung nennen, doch leider ist es so. Zum Glück gibt es aber auch Clubs, zu denen man gegen Bezahlung Zutritt bekommt. Leider gibt es, abgesehen von diesen Anlagen, kaum Schwimmbäder, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Und wenn doch, dann sind es häufig Schwimmbecken von Grundschulen und darunter kann man sich nun echt nicht mehr als ein kleines ungemütliches Becken vorstellen. Ist eben auch mehr Luxus als alles andere. Ich jedenfalls bin glücklich darüber, eines in der Nähe zu haben, wo ich mich ab und an etwas auspowern kann. Ist schon witzig. Ich gehe jeden Tag zu Fuß zu meinem Englischinstitut, da ich nicht länger als 20 Minuten brauche für den Weg. Verstehen kann das kaum jemand. Wie kann man so weit laufen, haben mich meine Mitstudenten gefragt. Das Argument: Es könnte gefährlich sein, abends die Strecke alleine zu gehen, kann ich noch verstehen, aber was die Bewegung angeht, da bin ich sprachlos. Bevor ich mich in den überfüllten Kleinbus quetsche und zum Schluss noch auf Knien die holprige Fahrt über mich ergehen lassen, nutze ich doch meine Beine, oder?

Apropos Füße, am Montag macht Evelyn mir eine ausgiebige Maniküre und Pediküre. Sie ist nämlich gerade mit ihrer Ausbildung zur Kosmetikerin fertig geworden und ich spiele nun Versuchskaninchen. Freu mich schon auf den Beauty-Tag.

Und schon steht das Wochenende vor der Tür. Wir haben bereits einige Pläne, eigentlich zu viele, denn nun wissen wir nicht, was wir tatsächlich machen sollen. Ursprünglich war geplant, am Samstag evtl. für ein paar Stunden an den Strand zu fahren und Abends tanzen zu gehen. Bisher waren wir noch nicht ein Mal tanzen. Am Sonntag Vormittag geht Gustavo dann mit seiner Familie Fussball spielen. Ist witzig, da treffen sich regelmäßig seine Cousins und deren Väter, um jung gegen alt zu spielen :). Ich habe vor ihn zu begleiten, damit ich seine Familie etwas besser kennen lerne. Doch ist uns da gerade etwas dazwischen gekommen. Die Mädls von Amnesty International wollen an den Strand fahren und dort in Zelten die Nacht verbringen. Klingt wirklich verlockend und wir würden uns unheimlich gerne anschließen, aber das Fussballfeld ist bereits bezahlt und Gustavo freut sich schon seit langem darauf. Also werden wir uns da ausklinken müssen. Schade, aber es findet sich bestimmt eine andere Gelegenheit :).

Wow, die Sonne scheint schon wieder so stark (und es ist erst 9 Uhr morgens), dass ich nur durch das Sitzen am Esstisch ins schwitzen komme.

Euch wünsche ich, dass bald der Frühling kommt und ihr ein paar Sonnenstrahlen am Wochenende genießen könnt. Da mir die einen erzählen, der Frühling sei schon spürbar, die anderen von Schneemassen in den Bergen berichten, ist es schwer mir im Moment eine genaue Vorstellung über das Wetter in Deutschland zu machen. Kann nur auf mein Wetterfroschi (Temperaturanzeige für Rosenheim auf meinem Computer) vertrauen und das spricht noch immer von relativ frischen Tagen. Aber so sich wie hier der Sommer langsam dem Ende zuneigt, werden bei euch bald die wärmeren Tage einkehren.


Also da haben wir wirklich einen spaßigen Papagei im Haus. Wenn man am Hauseingang Hallo ruft, kommt das Echo schon von oben. Das gesprächige Vögelchen wohnt nämlich ein Stockwerk über uns und heute scheint es besonders gut drauf zu sein, denn schon die ganze Zeit quakt es vor sich hin.

Genießt die freien Tage!

Dienstag, 3. März 2009

Erster Bericht aus unserer neuen Wohnung

03. März

Gerade sitze ich in unserem schönen Wohnzimmer und freue mich über unseren Internetanschluss, den wir heute bekommen haben. Juhu! Da fühlt man sich doch gleich wieder mitten im Geschehen. Die letzte Woche war nicht so leicht. Wir haben uns beide eine böse Magenverstimmung eingefangen. Erst lag Gustavo mit Fieber und Bauchschmerzen im Bett und kurz darauf gings bei mir los. Glaub, so schlimm hats mich hier noch nicht erwischt. Konnte drei oder vier Tage kaum etwas essen und hab die meiste Zeit geschlafen. Am Donnerstag hats mir dann gereicht und ich bin zum medizinischen Zentrum meiner Uni gegangen, wo man mir ein paar Medikamente verschrieben hat. Langsam gings wieder aufwärts. Noch am selben Tag hatte ich Glück und konnte an einer Führung durch das Unigelände teilnehmen, die eigentlich für die neuen Angestellten, u.a. Gustavo, der Uni gedacht war. Aber da habe ich mich einfach darunter gemischt und erscheine nun auf den Fotos als Mitarbeiterin der Universität. Auch nicht schlecht! War jedenfalls total interessant. Der Campus ist enorm groß und es gibt viel zu entdecken. So haben wir erfahren, wie die ersten Rehlein und Eichhörnchen auf dem Gelände gelandet sind, wie scharf sie auf die vielen liebevoll gepflegten Pflanzen sind und was man in Zukunft mit den Tierchen für Pläne hat. Da unser Führer ein landwirtschaftlichen Studiengang besucht hatte und die Gestaltung der Flora mit organisierte, konnte er uns viele Geschichte über die verschiedenen Palmenarten und Blumen erzählen. Hat sich wirklich gelohnt, auch wenn mich ein Sonnenbrand noch die nächsten Tage an die Tour erinnern sollte.

Jetzt aber zu dem wichtigeren Thema: Unsere neue Wohnung.

Seit Donnerstag Abend leben wir hier. Fühlen uns beide sehr wohl in unserem neuen Reich und vor allem ich genieße die Ruhe über alles. Morgens wache ich mit Vogelgezwitscher auf und außer gelegentlichem Hundegebell hört man hier nur aus der Ferne ein paar Autos und Hupgeräusche. Auf der Dachterrasse dürfen wir sogar die Waschmaschine unserer Vermieterin mit benutzen und sparen uns damit viel Stress und Geld. Bei der Hitze trocknet alles ruckzuck und da wir uns gleich ein Bügelbrett gekauft haben, sind wir nun auf keinerlei Hilfe von außen mehr angewiesen. Bis auf ein paar Kleinigkeiten fehlt es uns hier an nichts. Am Freitag haben wir ein neues Sofa mit schönem Teppich geliefert bekommen, was unser helles Wohnzimmer noch gemütlicher macht. Zwar waren die Anfangsinvestitionen noch etwas teuer, da man erst einmal eine gute Grundausstattung an Haushaltsutensilien braucht, doch dürfte das Gröbste nun überstanden sein.

Im Moment macht es mir richtig Spaß ein wenig Hausfrau zu spielen, sogar einen Kuchen hab ich schon gebacken, mit meiner Silikon-Tupper-Backform, die unbedingt noch in den Koffer wollte. Zitronenkuchen sollte es werden, wie wir ihn kennen. Schmeckt aber, ich gestehe zu meiner Schande, etwas seltsam. Denke, ich hab eine Margarine erwischt, die zu viel Salz enthielt. Aber essen kann man ihn schon und Gustavo kennt zum Glück das Original nicht ;).

Am Samstag waren wir zum grillen bei Jenna auf der Dachterrasse eingeladen. Haben dort ein paar schöne Stunden verbracht, bis wir schließlich fix und fertig wieder Zuhause angelangt sind.

Das restliche Wochenende haben wir ohne viel Trubel ausklingen.

Und gestern hatte ich dann meinen Englisch-Einstufungstest. Habe ich schon erzählt, dass ich hier einen Englischkurs besuchen möchte, um mein Nebenfach nicht ganz aus den Augen zu verlieren?

Die Prüfung ist zu meiner Zufriedenheit verlaufen. Hatte ein etwa 15minütiges Gespräch auf Englisch und dann einen schriftlichen Test. Wurde als fortgeschritten eingestuft, was mich gefreut hat. Doch bedeutet dies zugleich, dass ich nicht an dem Institut direkt bei der Uni den Unterricht besuchen kann, da dort nur Kurse für Anfänger und Mittelstufe angeboten werden. Also musste ich kurz darauf erst einmal alle anderen Möglichkeiten abwägen, andere Institute, andere Zweigstellen. Das Wichtigste aber ist, dass sich der Englischkurs nicht mit meinen Kursen an der Uni überschneidet. Also war bis heute Chaos angesagt, denn morgen beginnen bereits die Englischstunden, die Uni aber erst am 16.3. und die Kurslisten sind soeben erst veröffentlicht worden. Aber nach langem Kopfzerbrechen steht mein vorläufiger Stundenplan nun. Werde von Montag bis Freitag an der Uni sein und insgesamt drei relativ umfangreiche Seminare zur Kolonialliteratur, Ethnographie und neueren hispanoamerikanischen Literatur besuchen. Denke, damit bin ich gut eingedeckt, da jeder Kurs vier Wochenstunden hat und immer gut vorbereitet werden muss. Leider musste ich auf zwei sehr interessante Kurse verzichten, da ich Abends täglich zwei Stunden Englisch habe und das von 7:30 – 9:30pm. Wow, da werde ich ins schwitzen kommen. Aber ich freue mich schon riesig drauf. Werde bestimmt viel lernen und gut mit meinem Studium vorankommen. Das schöne ist, dass eine Zweigstelle des Spracheninstituts der Uni nicht weit von Zuhause entfernt ist, sodass ich im Anschluss ganz schnell ins Bett fallen kann :). Morgen geht’s schon los!

Zum Schluss aber weg vom Studium, hin zu einem entspannenderen Thema. Zu Ostern werden wir nach Cajamarca fliegen, mit Gustavo´s Eltern. Da will ich schon so lange hin. Angeblich soll es nahe der Andenstadt eine ähnliche Ruinenstadt wie Machu Picchu geben, die allerdings noch restauriert wird. Aber abgesehen davon ist Cajamarca eine sehr geschichtsträchtige Stadt, die viel Kultur bietet. So weit, so gut!

Hab übrigens nachträglich die Telefonnummer im Blog geändert, die ich euch das letzte Mal gegeben habe, da wir ab heute unter unserem eigenen Festnetzanschluss erreichbar sind.

Freitag, 27. Februar 2009

Neue Telefonnummer

Hallo ihr Lieben,

seit gestern leben wir in unserer neuen Wohnung. Da wir momentan noch keine Internetverbindung haben, gebe ich euch zumindest einmal unsere Festnetznummer: 0511 - 2249638. Anrufe sind jederzeit willkommen!

Einen ausfuehrlicheren Bericht bekommt er die Tage.

Ich wuensche euch ein schoenes Wochenende! Bussi

Dienstag, 24. Februar 2009

Wir haben eine Wohnung. Juhu!

24.Februar, 2009

Wo sind die letzten Tage bloß hin? Schon geht’s auf Ende Februar zu. Am Donnerstag habe ich, wie geplant, meine ehemaligen Kolleginnen von Amnesty International besucht. Mittlerweile gabs wieder einen Wechsel bei den Praktikanten, sodass ich ein paar neue Bekanntschaften gemacht habe. Haben lecker Mittag gegessen und im Anschluss bin ich noch ein wenig bummeln gegangen. Ist gerade Sommerschlussverkauf hier :). Jedoch erfolglos, was den Geldbeutel freut. Den Freitag habe ich relaxt. Die ersten Stunden habe ich etwas entspannt und mittags waren Gustavo und ich gemeinsam essen. Den restlichen Nachmittag habe ich mit lesen und einkaufen verbracht. Brauchte mal ein paar Stunden Ruhe und Entspannung und die finde ich an der Uni. Am Samstag dann hatte Jenna, eine Freundin aus Texas, Geburtstag. Abends haben wir uns in Barranco – Künsterviertel in Lima – getroffen. Leider konnten wir im Anschluss nicht mehr Salsa tanzen gehen, worauf ich mich so gefreut hatte, da man uns geraten hat, am Sonntag ganz früh aufzustehen, um eine Wohnung zu suchen. Nach ca. 4 Stunden Schlaf sind wir dann am Tag darauf aus den Federn gekrochen. Gustavo hat gleich die Tageszeitung besorgt und ich habe mich aufs Internet gestürzt. Zunächst erschienen uns einige Anzeigen interessant, doch nachdem Gustavo ca. eine Stunde sämtliche Vermieter angerufen hatten, die in Frage kamen, blieb kaum noch eine Wohnung übrig, die von Interesse sein könnte. Am Vormittag haben wir uns dann eine Wohnung angeschaut. An und für sich ganz nett, aber die Dame hatte scheinbar den Eindruck, wir hätten Geld im Überfluss, denn der Mietpreis war vollkommen übertrieben. Da wir noch die Hoffnung hatten, die eine oder andere Wohnung in der selben Gegend am späten Nachmittag anzuschauen, haben wir das Beste aus dem Tag gemacht und sind von Geschäft zu Geschäft gewandert. Um 5pm konnten wir dann endlich noch zwei Vermieter erreichen und eine würden wir kurz darauf noch besichtigen. Nachdem Gustavo aufgelegt hatte und wir noch einmal in Ruhe über die Lage der Wohnung nachdachten, waren wir schon kurz davor, zurück zur Herberge zu fahren, und diese Möglichkeit auf Eis zu legen. Gustavo hat dann doch entschieden, der Wohnung ein Chance zu geben. Ja und wie das immer so ist: Jetzt ist es unsere neue Wohnung :). Haben uns gleich in das Haus und die Räumlichkeiten verliebt. Und obwohl wir schon die 11. Interessenten waren, haben wir gleich die Zusage gekriegt. Wohl auch, weil der Besitzerin noch eine deutsche Mieterin gefehlt hat. Jajaja! Denn zuvor hatte sie uns ausführlich erzählt, woher die Vormieter kamen: Korea, Saudi Arabien, Kolumbien, China...
Nun zur Wohnung. Sie befindet sich in in einem sehr schönen Haus, das richtig Stil hat. Wir werden dort im ersten Stock leben (insgesamt wohnen dort etwa 4 Parteien). Beim Betreten der Wohnung kommt man zuerst ins Wohnzimmer. Ein heller Raum, mit Esstisch und Sofa. Von da aus gelangt man auf die gemütliche Terrasse, die nach allen Seiten durch eine Mauer abgeschlossen ist, so dass man vor unangenehmen Blicken bewahrt bleibt. Sie ist groß genug, um ein paar Pflanzen, Tisch und Stühle hinauszustellen. Und die Vermieterin hat sich sogar schon angeboten, uns eine Pflanze zu besorgen. An das Wohnzimmer schließen sich außerdem das Bad und die Küche an. In der Küche haben wir alles notwendige, um gut leben zu können. Sogar eine Mikrowelle wird uns zur Verfügung gestellt. Im Schlafzimmer dann steht ein großes gemütliches Bett mit einem riesigen Fernseher und einem geräumigen Einbaukleiderschrank. Die ganze Wohnung ist sehr hell und einfach gemütlich. Zahlen werden wir mit Internet und Kabelfernsehen etwa $380. Das ist nicht unbedingt wenig, aber günstiger findet man möbliert kaum etwas. Wichtig für mich ist auch die Lage. Das Viertel nennt sich San Borja und es zählt zu den reicheren und gepflegteren Gegenden von Lima. Das liegt mit unter daran, dass der Bürgermeister Arzt ist und sich um seine Einwohner sorgt. Nahe unserer Wohnung hat man sogar eine Maschine aufgestellt, die angeblich tausende von Bäumen ersetzt und dadurch die Luft reinigt. Gleich um die Ecke befindet sich ein schönes neues Einkaufszentrum, mit Supermarkt, Cafés, Kino und allem anderen, was das Herz begehrt. Und laut unserer Vermieterin gibt es nicht weit entfernt ein Militärgelände, auf dem jeder, der möchte, Sport machen kann. Angeblich wird dort sogar der Puls gemessen, nach dem Laufen, und es immer jemand dort, der auf die Sportler acht gibt. Das ganze kostenlos. Da sieht man mal, was ein guter Bürgermeister alles bewirken kann. Soweit genug erst einmal zu unserem neuen Zuhause. Am Donnerstag Abend ziehen wir um und bis dahin bleiben wir noch in der Herberge. Zum Glück haben wir mittlerweile ein helles, recht nettes, Zimmer. Trotzdem kann ich es kaum erwarten, endlich nicht mehr aus dem Koffer leben zu müssen und vor allem dem Großstadttrubel etwas entgehen zu können. Ihr wisst ja, Tina ohne Natur und Ruhezonen, geht ein wie ein Pflänzchen, das kein Wasser bekommt. Bis dahin mache ich noch das Beste aus der momentanen Situation. Heute bin ich zum Mittagessen eingeladen und vor dem Umzug möchte ich mich noch mit ein paar Freunden treffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Achja, hätte ich fast vergessen. Gestern war ich das erste Mal am Strand, mit den Mädels von Amnesty International. Da das Büro nämlich zu Wochenbeginn ohne Strom war, hatten sie allesamt frei. War richtig schön und ich konnte wieder neue Energien tanken. Blöd nur, dass man mir im Bus – auf dem Weg zum Strand (Pulpos nennt dieser sich) – meinen Geldbeutel aus der Tasche geklaut hat. War meine eigene Schuld, denn ich hab wieder einmal nicht genug aufgepasst. Bin froh, dass ich nicht sehr viel Beld bei mir hatte. Ärgerlich ist es trotzdem. Muss einfach noch lernen, den Leuten hier mehr zu misstrauen.
Noch immer fühle ich mich etwas schwach und übermüdigt von Wochenende. Denn seit Samstag hatte ich nämlich kaum Schlaf, wegen der Wohnungssuche. Gestern Abend hatten wir dann nicht einmal mehr Kraft, etwas essen zu gehen. Heute fühle ich mich schon wieder etwas stärker, zwar verbrannt von der Sonne und mit einem etwas schwachen Magen, aber sonst ganz gut. Gustavo hat seit gestern Fieber und Bauchschmerzen, muss ihm wohl das Händl, das er mittags gegessen hatte, schlecht bekommen sein. Hoffe, er kann heute früher aufhören zu arbeiten, damit wir beide bis zum Umzug wieder fit sind. Sobald wir in San Borja wohnen, stelle ich Fotos von unserem neuen Reich ins Internet.

Hier noch unsere Adresse:

Sigma F-33, Dpt. 2B
Urb. Papa Juan XXIII
San Borja
Lima
Perú

Mittwoch, 18. Februar 2009

An das Leben in der Großstadt muss man sich gewöhnen

19. Februar, 2009

Wieder sind ein paar Tage vergangen. Langsam gewöhne ich mich aufs Neue an das peruanische Leben. Wo ich zunächst noch dachte, ich würde mich die erste Zeit v.a. in meinem Zimmer verschanzen, um dem Trubel der Großstadt zu entfliehen, beginne ich nun, mir Ruheoasen, außerhalb meiner vier Wände, zu suchen, an denen ich die Seele baumeln lassen kann. Gestern Nachmittag habe ich ein paar Stunden auf dem Uni-Campus verbracht. Sobald man diesen betritt, vergisst man das Chaos und den Lärm um sich herum. Dazu muss man sagen, dass dieser durch eine Mauer von der Außenwelt getrennt ist und nur diejenigen den Bereich betreten dürfen, die durch ihren Studentenausweis dazu autorisiert sind. Auf dem Gelände findet man eigentlich alles, um sich dort gut den ganzen Tag aufhalten zu können: Banken, Kantinen, Cafés, Bänke, viele Grünflächen, einen Sportbereich... Nachdem ich mit Gustavo Mittagessen war, habe ich mir ein Plätzchen auf einer Wiese gesucht, um gemütlich etwas zu lesen. Das Wetter ist tückisch. Sitz man in der Sonne, verbrennt man ruckzuck, im Schatten jedoch muss man aufpassen, dass man sich nicht verkühlt, weil der Wind recht stark ist. Naja, jedenfalls habe ich mich dann doch für den Schatten entschieden und zwar unter einen schönen großen Baum. Gerade in meine Lektüre vertieft, höre ich etwas neben mir schmatzen. Und was sehe ich da, kaum einen halben Meter entfernt von mir? Ein riesigen Eichhörnchen, das fröhlich vor sich hinknabbert. Anstand hatte es zwar keinen, denn ich hab ständig die Essensreste abgekriegt, aber schön zum beobachten wars auf jeden Fall. Mit dem Campus habe ich einen Ort gefunden, an dem ich mich wirklich entspannen kann. Dort wird man nicht ständig von irgendwelchen komischen Typen angesprochen, merkt man den Smog der Stadt nicht und ist umgeben von Natur und Tieren. Dass dort auch Rehe leben, das habe ich schon einmal erwähnt. Die haben die Flucht aus dem angrenzenden Zoo gewagt und genießen nun das akademische Leben :). Genug relaxt, habe ich mich auf den Weg zu einer Freundin gemacht, die unweit von der Uni lebt. Und mit einem leckeren Tässchen Kaffee haben Gustavo und ich den Tag außerhalb der Herberge beendet.
Heute ist wieder ein sehr heißer Tag, so heiß, dass ich schon beim frühstücken ins Schwitzen gekommen bin. Hatte ein nettes Gespräch mit der Besitzerin der Herberge. Sie hat mich schon zum wiederholten Mal eingeladen, mit ihrer Tochter nach Cajamarca – einer kulturell sehr interessanten Stadt in den Anden – zu reisen. Klingt wirklich verlockend, vor allem, da dort im Moment groß Fasching gefeiert wird, wovon man in Lima überhaupt nichts merkt. Nun gut, außer dass einen Kinder hin und wieder versuchen, mit Wasserbomben zu beschießen (was mittlerweile jedoch verboten ist). Aber erstens habe ich schon viele Pläne für diese Woche und zweitens will ich zuerst eine Wohnung, bevor ich wieder ans verreisen denke. Zwar genieße ich gerade die freien Stunden im Hotelzimmer, doch würde ich mich viel wohler fühlen, wenn es etwas ruhiger wäre. Der Lärm, der an unserem Fenster vorbeiführenden Straße, ist ganz schön nervenaufreibend. Da sehne ich mich richtig nach der Ruhe zu Hause. Aber gut, der Mensch ist ein Gewohnheitstier und mein Ohr wird sich schon an die Geräuschkulisse anpassen. Jetzt werde ich noch ein wenig faulenzen, bevor ich mich mittags mit Evelyn, meine Freundin, auf deren Hochzeit ich im Sommer war, treffe.

Ich hoffe, es geht euch allen gut und ihr friert nicht allzu sehr im kalten Deutschland. Mein Wetterfroschi hat mir für Rosenheim gestern Nacht -13 Grad angezeigt. Wars wirklich so kalt? Hab schon ein paar Sonnenstrahlen für euch losgeschickt. Dürften also hoffentlich bald in Europa ankommen. BUSSI

Kleiner Nachtrag zum heutigen Tag. Wie geplant habe ich mich mittags mit Evelyn getroffen. Sind erst ein bisschen durch die Stadt gebummelt und haben dann versucht, ein Restaurant zu finden, in dem auch ich etwas finde. Letztendlich hatten wir Erfolg. Nach dem Essen dann der Schock. Evelyns Handtasche ist verschwunden. Schnell läuft sie zurück zu einem anderen Restaurant, in dem wir zuvor unser Glück versucht haben. Doch dort hat sie sie nicht gelassen. Also bleibt zur eine Erklärung: die Tasche wurde ihr im Restaurant geklaut. Unglaublich! Ein kleines, neues Restaurant, in einem von Lima sichersten Vierteln und noch dazu mit 3 bis 4 Angestellten um uns herum. Die Reaktion der Wirtsleute ist relativ neutral. So etwas passiert eben, meinen sie nur. Ausweis, wichtige Papiere für die Botschaft, viel Geld, Handy und Schlüssel, alles weg. Was tun? Fragen uns schließlich zum Polizeipräsidium durch. Da werde ich dann erst so richtig sauer. Das müsstet ihr echt mal sehen, wie dort gearbeitet wird. Werden nach einigem Fragen in einen Raum geschickt, wo angeblich die Anzeigen bei Raubüberfällen entgegengenommen werden. Zwei Beamte, der eine starrt nur blöd in die Luft und sitzt vor einem PC, der scheinbar nur zur Deko dasteht und der andere ist gerade dabei die Anzeige einer Dame zu bearbeiten. Der Blöd-in-die-Luft-Schauer hört sich Evelyns Bericht an und dann reagiert er einfach nicht mehr. Ich werde schön langsam immer wütender über die Arbeitsweise, wenn man das so nennen kann, dieses Herrn. Und als ich wissen möchte, was denn jetzt los sei und weshalb er nichts mache, meint er nur, es gebe lediglich einen PC, der das System zur Aufnahme von Anzeigen erlaube. Schmarrn! Der hat einfach keine Lust. Also grinst er doof vor sich hin und wartet. Wir beharren jedoch darauf, dass er sich aufgewegt und schließlich fahren wir mit einer Patrouille zu dem Restaurant. Und statt dass mal ein vernünftiger Polizist eingreift, bewegt sich mit langsamen Schritten die Trantüte Richtung Lokal. Dann begrüßt er erst einmal ganz lässig mit Handschlag den Besitzer und nimmt auf einem Schmierzettel dessen Daten auf. Warum interessiert ihn, ob der Inhaber des Restaurants verheiratet ist und wie alt er sei? Nachdem er diese überflüssigen Daten notiert hat, gibt er ihm wieder die Hand und die Sache scheint erledigt. Bin ich im falschen Film? Jetzt reichts, nochmal werde ich laut und verlange zumindest das Geld zurück, das wir für das Essen bezahlt haben. Nach langem hin und her rücken sie dies dann endlich raus. Ja, doch einen möglichen Täter hat wohl keiner gesehen und das scheint wohl auch keinen ernsthaft zu interessierten. Solche Dinge passieren eben, meint dieses Ekel von Polizist. Wir fahren zurück zum Revier, wo unser tatkräftiger Polizist sich gemütlich auf den Weg macht, jemanden zu suchen, der nun endlich die Daten in den Computer tippen kann. Und, oh Wunder, plötzlich gibt es doch tatsächlich einen zweiten Computer, der über dieses höchst spezielle „System“ verfügt. Da könnte man an die Decke gehen. So ein unproduktives Arbeiten wird auch noch bezahlt und da wundert man sich, warum die Kriminalität nicht abnimmt. Zum guten Abschluss bittet Evelyn um eine Kopie der Anzeige, was ihr eine neue Ausstellung ihres Ausweises erleichtert. Dafür muss sie jedoch erst zur Bank laufen, S./ 3,50 (weniger als 1 Euro) zahlen, und mit diesem Beleg erneut bei der Polizei antanzen. Also, wer sich bei uns noch einmal über die Bürokratie beschwert, der sollte Peru kennen lernen. Arme Evelyn, da kommt noch viel Stress auf sie zu und das wegen ein Paar Piranjas (so nennt man die Taschendiebe hier), die vor nichts Skrupel haben. Wäre sie alleine unterwegs gewesen, hätte sie wirklich schlechte Karten gehabt. Denn ohne Handy und Geld wäre sie nicht mehr so schnell nach Hause gekommen und sie wohnt immerhin zwei Stunden außerhalb vom Zentrum.

Ganz verbrannt bin ich in der Herberge angekommen. Leider hatte ich meine Sonnencreme vergessen und dafür muss ich jetzt büßen. Aber es gibt schlimmeres. Mama, den Riemen von der Tasche, die du mir geschenkt hast, werde ich jetzt nicht mehr so schnell los, doch wenigstens hat er einen Teil meiner Haut vorm Verbrennen geschützt :).

Auf morgen freue ich mich schon, denn mittags fahre ich meine ehemaligen Kollegen von Amnesty International besuchen und ich werde sogar von Jenna bekocht. Was für ein Luxus!




Montag, 16. Februar 2009

Und wieder beginnt ein neuer Lebensabschnitt


13. Februar, 2009

Mittlerweile sitze ich am Flughafen in Frankfurt und warte auf meinen verspäteten Anschlussflug nach Caracas.

Letzte Nacht habe ich bei Moni und Stephan verbracht, doch von schlafen kann leider kaum die Rede sein. Denke mal, mehr als 2-3 Stunden konnte ich meine Äuglein nicht schließen. Ist doch alles immer sehr aufregend. Erst die ganzen Verabschiedungen und dann wird einem ganz plötzlich bewusst, dass es nun kein entkommen mehr gibt. Sprich, man merkt erst, was einem bevorsteht. Auf der einen Seite ist der Abschiedsschmerz, auf der anderen Seite die Wiedersehensfreude. Nun gut, jedenfalls sind wir um ca. 4:30am aufgestanden und haben uns dann durch den Schnee nach München vorgekämpft, besser gesagt, Stephan. Danke an dich Stephan! Hat auch erst einmal alles wunderbar geklappt. Das Gewicht meines Koffers lag im Rahmen und meine übergroße ´Handtasche` haben sie auch akzeptiert. Wäre da nicht das Schweizer Taschenmesser gewesen, das ich blöderweise in einem meiner Schuhe im Handgepäck verbunkert hatte. Naja, das kommt dabei raus, wenn man immer wieder umpackt und Stück für Stück den Überblick über das Chaos verliert. Warum umpacken? Weil 20kg Gepäck ganz einfach knapp bemessen sind für acht Monate. Aber gut, letztlich habe ich doch meinen halben Kleiderschrank dabei, verteilt auf den Koffer, die Laptoptasche, mein Handgepäck und meine Handtasche, die eigentlich eine Strandtasche ist.
Endlich durch die Kontrolle wurde meine Geduld erst einmal wieder auf die Probe gestellt. Klar, dass Schnee zu Verspätungen führt. Da sitzen wir schon alle im Flieger und es bewegt sich nix. Und dann kriegt die Maschine auch noch einen ausgiebige Enteisungskur verpasst. Da in Frankfurt nur eine knappe Stunde Aufenthalt geplant ist werde ich natürlich zunehmend nervös, v.a. da ich den Flughafen dort nicht kenne und keinen Schimmer habe, wo das richtige Gate für mich ist. Hab mich unnötig verrückt gemacht. Die kleine Gruppe, die nach Venezuela/Caracas weiterreist wird freundlich von einem Flughafenteam empfangen und direkt zum Gate gebracht. Hat mich wirklich überrascht, denn so einen Service hab ich noch nie erlebt. Und zu allem Überfluss verspätet sich der Abflug um ca. 30Min. Bis jetzt! Hoffe alles geht gut und die restliche Reise verläuft sorgenfrei. So, Boarding Time :).

16.Februar, 2009

So, mittlerweile ist schon Montag. Nur einer kurzen Blick zurück zu meiner Anreise. Ist alles nach Plan verlaufen. Auf meinem letzten Flug von Caracas nach Lima hatte ich auch noch das Glück, drei Sitze für mich alleine zu haben. Und das war auch gut so, denn da es so einige Turbulenzen gegeben hat, war ich ganz froh, mich etwas hinlegen zu können. Also pünktlich gelandet und das mit Koffer :). Mit Gustavo gings dann erst einmal in ein Hotel. Mehr als eine Dusche und ein Bett wollte ich nach der langen Reise nicht mehr sehen. Und am Samstag sind wir nach dem Frühstück nach Miraflores, in den Parque del Amor, gefahren, um ein wenig die Sonne zu genießen und v.a. Um etwas Bewegung zu haben. Naja, und ich Bleichgesicht hab mir dann auch gleich meinen ersten Sonnenbrand eingefangen. Zum Glück nicht schlimm, aber da ich brav Sonnencreme benutzt hatte, dachte ich davon verschont zu bleiben. Abends stand dann Kino auf dem Plan, aber irgendwie war die Müdigkeit dann doch stärker. Den Sonntag haben wir ruhig verbracht. Sind zum Markt spaziert und haben versucht, eine Wohnung zu finden. Leider ohne Erfolg. Das Problem ist einfach eine Wohnung in Uninähe zu finden, die zudem möbliert ist. Die einen sind unverschämt teuer und die anderen kommen aus anderen Gründen nicht in Frage. Am Anfang war ich ganz schön frustriert, da Gustavo auch schon eine gute Zeit sucht, aber nix hergeht. Doch da das Hostal, wo wir vorübergehend sind, ganz schön ist und die Leute hier total freundlich sind, arrangiere ich mich mittlerweile damit. Klar, eine dauerhafte Lösung ist das nicht, denn schließlich kommt es auch etwas teuer mit der Zeit. Aber lieber suchen wir in aller Ruhe, bevor wir die nächstbeste Wohnung mieten. Soviel dazu.
Heute ist schon Montag. Gustavo arbeitet und ich sitze hier und versuche euch einen kleinen Ausschnitt aus meinem Leben zu beschreiben. Ehrlich gesagt habe ich mich erst gar nicht wohl bei dem Gedanken gefühlt, unter der Woche viel alleine zu sein (Gustavo arbeitet schließlich immer bis 5:30pm). Ich bin doch bis mitte März noch frei wie ein Schmetterling, da die Uni erst dann losgeht und ich beinahe meine ganzen Unisachen aus Deutschland auch dort zurückgelassen habe. Aber von wegen Langeweile oder Einsamkeit. Den ganzen Vormittag war ich damit beschäftigt, mich hier zurück zu melden und schon einmal die ersten Treffen zu vereinbaren. So feiert am 20.2. eine Freundin von Amnesty International groß Geburtstag, die Tage besuche ich meine ehemaligen Kollegen im Büro und am Freitag bin ich zum Essen bei der Oma eines Freundes eingeladen. Ja und zwischendrin findet sich bestimmt mal jemand für nen leckeren Kaffee :). Naja, so lecker ist er hier nicht, wie zu Hause, aber man gewöhnt sich an alles.
Mittags habe ich mich mit Gustavo in der Uni getroffen – dort arbeitet er – und wir sind vegetarisch essen gegangen. Lustig, am Anfang hat er sich noch immer gesträubt Sojafleisch zu essen, was allerdings schon bei Integralreis oder Gemüse anfing. Aber schön langsam bringe ich ihm schon bei, was gute Ernährung ausmacht. Zugegeben, ich könnte mich auch besser ernähren, aber so ungesund, wie hier viele leben, soll mir nicht zur Gewohnheit werden.
Im Anschluss bin ich noch zu zwei Instituten gegangen, die Englischkurse anbieten. Eines davon gehört zu meiner Uni hier und das andere hat zählt zu einem der bekanntesten in Lima. Preislich ok, doch was mir nicht gefällt ist, dass die meisten Lehrer Peruaner sind. Und da bin ich schon etwas skeptisch. Ein Muttersprachler wäre mir schon wesentlich lieber. Gustavo hat sich des öfteren als Englischlehrer für mich angeboten :), aber ich glaub auf drei Sprachen zu kommunizieren endet schlussendlich in einem kompletten Chaos. Ein bisschen Zeit bleibt noch, bis ich mich für einen Kurs entscheiden muss. Eins steht jedenfalls fest: Dieses Mal wird nicht nur gereist und gefeiert. Die Uni hat eindeutig Priorität.

Ach, ich hab ja noch gar nix zum Wetter hier gesagt. Heiß ist es! So heiß, dass man, ohne rauszugehen, dreimal am Tag duschen könnte. Tut richtig gut nach so vielen Monaten Winter.

Ja und mehr fällt mir jetzt schon nicht mehr ein. Und da ich euch auch nicht mit zu vielen Details langweilen möchte, verabschiede ich mich nun erst einmal wieder.

Zum Schluss noch meine Handynummer, über die ich immer erreichbar bin: (0511) 991769258

Adresse folgt, sobald vorhanden :).